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Friday, May 18th 2012, 1:32pm

Rhynna fand den Hauptmann schließlich in der Wachstube wo er die aktuellen Pläne für die Patrouillen der nächsten Wochen mit einigen seiner Männer durchging.
Als er sie im Türrahmen stehen sah, bedeutete er ihnen mit einer knappen Handbewegung zu gehen. Gehorsam zogen sie sich zurück, jedoch nicht ohne vorher einen neugierigen Blick auf Rhynnas zierliche Gestalt geworfen zu haben.
„Ihr wolltet mit mir in einer wichtigen Angelegenheit sprechen, Hauptmann?“ fragte sie mit ruhiger Stimme.
Innerlich war sie allerdings alles andere als ruhig. Die Neugierde um was es wohl gehen könnte, nagte unerbittlich an ihren Nerven und es überraschte sie selbst ein wenig, dass sie so gelassen bleiben konnte.
„In der Tat, das war meine Intention. Doch tretet erst einmal ein, Rhynna.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und musterte sie mit einem leichten Schmunzeln, als sie die Tür hinter sich ins Schloss zog.
Rhynna ließ sich davon jedoch nicht beirren. Sie hatte den Hauptmann noch nie anders als gut gelaunt gesehen. Stets trug er sein übliches Grinsen zur Schau und erlaubte sich allerlei Scherze und Sticheleien mit den Soldaten.
Umso überraschter war sie, als sein Lächeln jäh verschwand und ein besorgtes Stirnrunzeln an dessen Stelle trat. Er seufzte einmal angespannt, ehe er das Wort an sie richtete. „Ihr seid doch eine sehr erfahrene Priesterin wie man hört. Gehe ich richtig in der Annahme, dass Ihr Euch nicht nur mit lebenden Körpern und deren Funktionsweise auskennt, sondern auch über den Tod und was er mit einem Körper anstellt Bescheid wisst?“ Fragend sah er sie an.
Rhynna zog erstaunt eine Augenbraue hoch und erwiderte seinen Blick. „Das ist wahr. In der Priesterausbildung lernt man die Zeichen des Todes zu erkennen. Wir müssen schließlich wissen ob wir jemanden retten können oder ob seine Zeit endgültig abgelaufen ist.“
Ser John brummte einmal zustimmend. „Verstehe. Sicherlich fragt Ihr Euch warum ich Euch eine derartige Frage überhaupt stelle.“
Sie nickte. „In der Tat frage ich mich das. Bitte klärt mich auf, worum es hier eigentlich geht. Ser Kai sagte mir nur, dass es eine delikatere Angelegenheit sei, aber genau Details wusste er nicht.“
Ein schiefes Grinsen zuckte kurz um Ser Johns Mundwinkel. „Delikat ist es zweifelsohne, wie Ihr mir sicher beipflichten werdet, wenn Ihr wisst um was es sich genau handelt. Also schön, ich werde Euch nicht länger auf die Folter spannen.“ Er holte einmal tief Luft ehe er weitersprach. „In den letzten Tagen haben wir die Leichen einiger Männer gefunden. Es waren vornehmlich Vagabunden und Obdachlose, die scheinbar Opfer ein und desselben Täters wurden. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber ihre Körper wiesen merkwürdige Spuren auf, die wir uns einfach nicht erklären konnten. Also habe ich den hiesigen Leichenbestatter darum gebeten sich die Toten einmal genauer anzusehen.“
Rhynnas Augen weiteten sich bei seinen Worten. Jemand da draußen in Dalanis ermordete Vagabunden auf mysteriöse Art und Weise? Wie grauenhaft!
Sie schluckte einmal um gegen die Furcht, die sich ihrer auf einmal bemächtigt hatte, anzukämpfen. „Und nun wünscht Ihr, dass ich Euch bei Eurem Gang begleite, um meinerseits zu schauen ob mir etwas Verdächtiges an den Leichen auffällt?“ wollte sie dann wissen. Ihre Stimme bebte leicht und ihr war nicht wohl bei dem Gedanken in ein Bestattungsinstitut zu gehen und sich die Leichname näher anzusehen.
Ser John schien erleichtert, dass sie so schnell verstanden hatte, was er von ihr wollte. „Genau so ist es. Sicher versteht Ihr jetzt auch, warum ich ausdrücklich darauf bestanden habe, dass Ihr zu mir kommt. Ihr verfügt über die notwendigen Erfahrungen mit dem Tod, welche Eure Mitrekruten nun einmal nicht haben.“
„Natürlich, das leuchtet ein,“ murmelte sie und faltete nervös die Hände. Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum und dachte nach.
Egal wie unangenehm es auch werden mochte und wie sehr sie sich bereits jetzt ekelte, sie würde ohne irgendeinen Laut des Klagens mitgehen und ihre Pflicht erfüllen. Sie war viel zu stolz und pflichtbewusst, um eine Weigerung auszusprechen.
Sie spürte Ser Johns Blick auf sich ruhen und straffte schließlich wieder die Schultern. „Ich werde Euch begleiten. Sagt mir nur, wann Ihr aufzubrechen gedenkt.“
Für ihre Worte bekam sie ein dankbares Lächeln vom Hauptmann geschenkt. „Wunderbar. Am liebsten würde ich jetzt gleich gehen, damit wir diesen Gang hinter uns haben. Wäre Euch das recht?“
„Natürlich.“
„Gut, dann lasst und gleich aufbrechen.“ Er öffnete die Tür und ließ sie zuerst hinausgehen, ehe er ihr folgte.
„Wir müssen ins Dunkelgassenviertel. Dort befindet sich das Bestattungsinstitut von Mitternacht. Er hat uns schon oft bei unseren Ermittlungen in diversen Mordfällen der Vergangenheit geholfen, so dass ich ihn gut kenne. Ihr dürft Euch von seiner verschrobenen Art nicht einschüchtern lassen, man gewöhnt sich irgendwann daran.“ klärte er Rhynna auf, während sie das Kasernengebäude verließen und sich in die schmalen, verwinkelten Gassen des Dunkelgassenviertels begaben.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

22

Wednesday, May 23rd 2012, 1:39pm

Schweigsam schritten sie immer tiefer in das Dunkelgassenviertel, welches seinem Namen alle Ehre machte. Es drang nur wenig Licht in die schmalen Straßen, so dass es selbst jetzt, am hellichten Tag einen ziemlich düsteren und trostlosen Eindruck machte.
Nur wenige Menschen waren in den engen Gassen unterwegs, aber die, welche sich im Freien aufhielten, warfen Rhynna und Ser John misstrauische Blicke zu. Offenbar verirrten sich die Gardisten der Löwenherzgarde nicht sehr oft in diesen Teil von Dalanis.
Rhynna war ziemlich unbehaglich zumute. Die stechenden Blicke der teilweise recht grimmig wirkenden Bewohner gefielen ihr ganz und gar nicht. Sie wollte lieber nicht wissen, was ihnen durch den Kopf ging, während sie ihnen hinterher starrten.
Sie war beinahe froh, als sie ihr Ziel endlich erreicht hatten.
Der Hauptmann marschierte schnurstracks zur Eingangstür, so als würde er jeden Tag einen Leichenbestatter aufsuchen.
Rhynna jedoch zögerte. Sie betrachtete das große Haus, vor dem eine Reihe von Särgen unterschiedlichster Größe und Machart aufgebaut waren. Es wirkte alles andere als einladend und wenn sie diesen Ort allein aufgesucht hätte, wäre sie wohl nicht hineingegangen, zu groß war das dumpfe Gefühl, dass sie nicht hier sein sollte.
Doch als Ser John ihr einen fragenden Blick zuwarf, straffte sie sich und eilte zu ihm. Ihr Herz klopfte laut und sie musste einmal tief durchatmen, um sich zu beruhigen, doch dann folgte sie dem Hauptmann ins Innere. Es hatte sie einiges an Überwindung gekostet, aber sie war nie feige gewesen und wollte nun keineswegs damit anfangen.
Sie kniff die Augen zusammen, um in dem schummrigen Licht, welches im Inneren des Bestattungsinstituts herrschte, etwas zu sehen.
Sie befanden sich in einem großen Raum, welcher durch einen dunkelblauen schwerem Vorhang in der Mitte in zwei Bereiche unterteilt war. Im vorderen Bereich, in dem sie sich aufhielten, standen hohe Regale, die mit alten Folianten, Pergamenten und etlichen Flaschen, Gläsern und Phiolen mit undefinierbarem Inhalt vollgestopft waren. In der Mitte befand sich ein großer Tisch, der voller geheimnisvoller Apparaturen stand und auf dem Werkzeuge lagen über dessen genaue Verwendung Rhynna lieber nicht genau Bescheid wissen wollte. An den steinernen Wänden spendeten vereinzelte Fackeln schwaches Licht. Ihr stetiges Flackern schuf eine recht unheimliche Atmosphäre und die sonderbaren Geräusche, die hinter dem Vorhang zu hören waren, trugen nicht gerade dazu bei, dass Rhynnas furchtsames Herz so schnell zu klopfen aufhörte.
Allerdings wirkte auch Ser John nicht mehr ganz so ruhig und selbstsicher wie zuvor. Verunsichert stand er einen Moment da, ehe er sich dann laut und vernehmlich räusperte.
Die Geräusche hinter dem Vorhang verstummten jäh, ein mattes Klirren war zu vernehmen, so als würde ein Gegenstand aus Metall beiseite gelegt. Rhynna zwang sich nicht darüber nachzudenken um was es sich dabei handeln konnte. Das war aller Wahrscheinlichkeit ohnehin nichts was man genauer wissen wollte.
Schließlich wurde der Vorhang beiseite geschoben und ein großer Mann kam dahinter hervor. Rhynnas Augen weiteten sich vor Erstaunen, als sie seine eher ungewöhnliche Erscheinung wahrnahm.
Er trug eine bodenlange Robe in tiefschwarz, welche über und über mit Juwelen und Bordüren in Mitternachtsblau besetzt war. Auf dem Kopf saß ein dunkelroter, nach oben hin spitz zulaufender Hut mit breiter Krempe, der die weit über die Schulter reichenden silbernen Haare des Mannes notdürftig bändigte.
Als er näher trat, sah sie, dass er für einen Mann ein recht fein geschnittenes Gesicht besaß. Der dünne Schnurrbart über seiner Oberlippe unterstrich den femininen Eindruck eher noch, statt das Gegenteil zu bewirken. Seine Augen waren von einem intensiven Dunkelgrau und blickten sie seltsam entrückt an, so als wäre er in Gedanken noch in einer anderen Welt.
Dann flackerte plötzlich Erkennen in seinem Blick auf und ein wissendes Lächeln umspielte seine schmalen Lippen. „Ah, der Herr John Hoffmann! Seid willkommen! Ich habe Euch bereits erwartet.“
Lange schlanke Finger, an denen eingetrocknetes Blut klebte, kamen unter den weiten Ärmeln seiner Robe zum Vorschein, als er dem Hauptmann zur Begrüßung die Hand entgegenstreckte.
Rhynna verzog das Gesicht und auch Ser John macht keinen sonderlich begeisterten Eindruck, als er die dargebotene Hand ergriff und sie beflissen schüttelte.
Dann versuchte er mit dem ihm ganz eigenen Sinn für Humor die unangenehme Situation zu überspielen. „Und da heißt es doch immer der Besitzer des Bestattungsinstituts sei schwer beschäftigt und hätte keine Zeit. Wie kann es dann angehen, werter Mitternacht, dass Ihr immer ausgerechnet dann persönlich anzutreffen seid, wenn ich vorbei schaue?“ scherzte er.
In Mitternachts Augen trat ein beunruhigendes beinahe irres Funkeln. „Ihr seid es doch, der mir immer diese außergewöhnlichen Kunstwerke bringt, an denen ich so viel Freude habe. Für mich seid Ihr schon allein deshalb ein bedeutender Gast.“ Er lachte schallend, was Rhynna mit hochgezogener Augenbraue quitterte.
Ser John hatte sie bereits vorgewarnt, dass der Leichenbestatter einen verschrobenen Charakter besaß. Verschroben war jedoch viel zu harmlos um diesen Mann vor ihr hinreichend zu beschreiben, dachte sie trocken. Ihr fielen da ganz andere Attribute ein, die weitaus treffender wären.
Als hätte er gespürt, dass sie über ihn nachdachte, fixierten die dunkelgrauen Augen nun sie. Prüfend musterte Mitternacht ihre Gestalt und ließ nicht im geringsten erkennen, was für eine Meinung er sich über sie gebildet hatte.
„Wer ist denn das hübsche Kind an Eurer Seite?“ fragte er nach einem Moment des Schweigens.
Bevor der Hauptmann jedoch antworten konnte, stellte Rhynna sich bereits selbst vor. „Mein Name ist Rhynna Harrowington. Ich begleite Ser John auf seinen Wunsch hin.“ Sie verneigte sich respektvoll vor dem Leichenbestatter. „Erfreut Eure Bekanntschaft zu machen,“ fügte sie dann höflich hinzu und erwiderte den prüfenden Blick ruhig.
Um Mitternachts Mundwinkel spielte ein leichtes Lächeln. Er machte jedoch keinerlei Anstalten die Begrüßung zu erwidern wie Rhynna ein wenig verstimmt feststellte. „So, so, Ihr begleitet den werten Hauptmann heute. Dürfte ich vielleicht erfahren aus welchem Grund?“ Sein Blick wanderte zu Ser John, der auf einmal einen recht betretenen Eindruck machte.
„Nun,“ begann er und rieb sich mit der rechten Hand verlegen den Nacken. „Ihr habt sicher schon bemerkt, dass Rhynna keine gewöhnliche Rekrutin der Garde ist, sondern zudem über die heilende Fähigkeiten einer Priesterin verfügt. Ich dachte, sie könnte eventuell auch noch einmal einen Blick auf die Leichname werfen. Eventuell könntet Ihr zwei Euch austauschen...“
Er verstummte jäh, als er bemerkte, dass Mitternachts Miene sich bei seinen Worten zunehmend verfinsterte.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

23

Monday, May 28th 2012, 1:07pm

„Eine Priesterin also, so, so.“ murmelte der Leichenbestatter und warf Rhynna einen Seitenblick zu, der deutlich machte, was er von dieser Tatsache hielt.
Rhynna entging die Feindseligkeit in seinem Blick keineswegs und sie meinte so etwas wie Abscheu herauszuhören, als er das Wort Priesterin aussprach. Ihre Wangen röteten sich und sie presste hastig die Lippen aufeinander, um nicht etwas so Törichtes zu tun wie ihn für seine offenkundige Ablehnung zu tadeln. Verbissen starrte sie ihn einfach nur an, die Arme vor der Brust verschränkt.
Der sonderbare Leichenbestatter musterte sie mit einem amüsierten kleinen Lächeln in den Mundwinkeln. „Ihr wirkt verstimmt, mein Kind. Dabei sollte Euch eigentlich bewusst sein, dass Eure Profession und die meine unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihr lebt davon Leben zu bewahren und diejenigen zu retten, die ohne Eure Hilfe sterben würden. Ich wiederrum lebe davon zu erforschen auf welche Art und Weise die Verblichenen zu Tode gekommen sind. Wir sind folglich wie das Licht und die Dunkelheit. Zwei Dinge, die zur gleichen Zeit nicht existieren können, Ihr versteht?“
Sie verstand in der Tat was er damit sagen wollte und erwiderte seinen intensiven Blick mit trotzig vorgeschobenem Kinn. Auch wenn er es nicht direkt ausgesprochen hatte, sie war hier unerwünscht und das konnte sie deutlich aus seiner Miene heraus lesen. Offensichtlich schätzte er es ganz und gar nicht, dass seine Arbeit angezweifelt wurde und als nichts anderes empfand er ihre Anwesenheit.
Rhynna wandte sich an Ser John, der Mitternachts Worten wortlos gelauscht hatte. „Ich denke es ist besser, wenn ich nun gehe. Ich möchte niemanden zur Last fallen...“
Sie hatte noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da lachte Mitternacht laut auf. Indigniert drehte sie sich zu ihm um.
„Bleibt nur, wertes Kind. Ich denke es schadet nicht, wenn wir alle gemeinsam einen Blick auf das exquisite Kunstwerk werfen, wegen dessen Ihr beide hier seid. Ich kann Euch schließlich nicht unverrichteter Dinge gehen lassen, wo Ihr Euch doch die Mühe gemacht habt zu mir zu kommen.“ Er lächelte sie an und warf ihr wieder einen dieser sonderbaren Blicke zu, die ihr eine Gänsehaut über den Rücken jagten.
Was für ein merkwürdiger Mann. Sie meinte einen gewissen ironischen Unterton aus seinen Worten heraus zu hören. Oder bildete sie sich das lediglich ein? Misstrauisch kniff sie die Augen zusammen.
Der Hauptmann bemerkte die Spannungen, die in der Luft lagen und versuchte diese mit seiner gewohnt humorvollen Art zu überspielen. „Eine ausgezeichnete Idee! Ich kann es kaum erwarten Eure Erkenntnisse am Leichnam selbst präsentiert zu bekommen.“ Er setzte ein gewinnendes Lächeln auf. „Ihr habt doch gewiss schon etwas herausgefunden, nicht wahr? Ein Mann mit Euren Fähigkeiten!“
Mitternacht nickte erhaben und bedeutete ihnen mit einer ausladenden Bewegung seiner Hand ihm hinter den Vorhang zu folgen. „Selbstverständlich. Das Kunstwerk, welches Ihr mir vor einigen Tagen brachtet, ist wirklich erlesen. Ich vermochte mich die letzten beide Tage nicht davon zu trennen und habe jedes kleine Detail untersucht.“
Sie waren hinter den Vorhang getreten. „Vielleicht möchtet Ihr zuerst einen Blick darauf werfen, holde Priesterin?“ Seine grauen Augen funkelten sie wissend an. Offenbar rechnete er fest damit, dass sie jeden Moment angeekelt zurückweichen würde oder sich vor lauter Abscheu übergeben musste.
Rhynnas Magen drehte sich in der Tat um, bei dem Anblick der sich ihr bot. Doch entschlossen kämpfte sie gegen die aufsteigende Übelkeit an. Vor diesem Mann würde sie sich keine Blöße geben.
Vor ihnen auf einem hüfthohen schmalen Tisch lag der Leichnam eines Mannes mittleren Alters aufgebahrt. Die Haut hatte sich blau-gräulich verfärbt und der süßlich faulige Geruch des Todes wehte zu ihnen herüber. Der Verwesungsprozess hatte bereits begonnen, aber Rhynna sah auch, dass Mitternacht offenbar etwas verwendet hatte, um diesen zu verlangsamen und Insekten vom Körper des Toten fern zu halten.
Dafür war sie sehr dankbar. Es war schon schlimm genug einer Leiche so nahe zu sein.
Tapfer ging sie näher und versuchte zu erkennen woran der Mann gestorben war. Sein gesamter Körper war mit tiefen Schnitten übersät, doch merkwürdigerweise klebte dort kein eingetrocknetes Blut. Aber daran schien er ohnehin nicht gestorben zu sein.
Sämtliches Blut wich aus ihrem Gesicht, als sie den langen Schnitt sah, der von seiner Kehle bis zu seinem Nabel verlief und von jemanden notdürftig zusammen genäht worden war.
Mit vor Entsetzen geweiteten Augen sah sie Mitternacht an. „Ihr habt diesen Schnitt hier genäht, nicht wahr? Ist es das woran er gestorben ist?“
„Richtig erkannt. Man hat ihm anscheinend bei lebendigem Leib den Brustkorb geöffnet und sein Herz entfernt.“ Die Stimme des Leichenbestatters war so ruhig und gleichgültig, als würde er über das Wetter sprechen.
Ser John sog scharf die Luft ein. „Ist das Euer Ernst? Als wir ihn fanden, war nirgends Blut zu finden. Nicht einmal an seinen Kleidern! Wie kann das sein?“ Sein Gesicht war blass und offenbar hatte auch er ein wenig mit der Übelkeit zu kämpfen, doch er hielt sich wacker.
Mitternachts Lippen verzogen sich kurz zu einem bitteren Lächeln. „Grausam, nicht wahr? Aber für das fehlende Blut gibt es eine Erklärung. Ich habe Rückstände von einem merkwürdigen Trank in seinem Körper gefunden. Anscheinend bewirkt dieser Trank, dass der Blutfluss unterbunden wird. Und wenn ich das anmerken darf, er war nicht der einzige, der auf diese Art und Weise sein Leben verlor. Bei den anderen getöteten Vagabunden war es ähnlich. Irgendetwas in Dalanis geht vor, seid Euch dessen bewusst.“
Rhynna schluckte. Wie furchtbar! Wer war so grausam und ließ einem Menschen bei lebendigem Leib das Herz herausreißen? Sie mochte sich so viel Brutalität nicht genauer ausmalen. Es war zu schrecklich. Sie mussten etwas unternehmen.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

24

Tuesday, May 29th 2012, 12:07am

Ser John holte einmal tief Luft, ehe er wieder sprechen konnte. „Habt Ihr sonst noch etwas herausfinden können?“
„In der Tat. Hier seht.“ Mitternacht ergriff eine Hand des Toten und drehte sie vorsichtig um. „An seinen Fingernägeln habe ich Rückstände von feinstem Leder gefunden. Und wenn Ihr genauer hinschaut, erkennt Ihr die ungewöhnlichen Risse, von denen sie verunstaltet werden. Zudem verströmen seine Finger immer noch einen leicht metallischen Geruch, wie er nur von Goldmünzen stammen kann. Aufgrund dieser Indizien gehe ich davon aus, dass er bei seinem letzten Atemzug etwas Ledernes mit aller Kraft festgehalten hat. Er wollte unter keinen Umständen, dass es ihm weg genommen wird. Dabei kann es sich eigentlich nur um einen Lederbeutel voller Goldmünzen gehandelt haben.“
Ser John hob verwundert eine Braue. „Goldmünzen? Wirklich äußerst interessant,“ murmelte er. „Wie kommt es wohl, dass ein gewöhnlicher Vagabund dermaßen viel Gold sein eigen nennt?“
Gleichgültig zuckte Mitternacht mit den Achseln. „Dafür mag es vielerlei Gründe geben, doch bedauerlicherweise werden wir nie erfahren welcher nun der richtige ist.“
„Was ist mit dem Gold? Ist es gestohlen worden? Oder habt Ihr es bei dem Leichnam sicherstellen können?“ erkundigte Rhynna sich bei Ser John.
Sie musste dem Leichenbestatter zustimmen. Die Umstände sprachen dafür, dass dieser heimatlose Mann eine Menge Gold mit sich herumgetragen hatte. Und das musste irgendwo geblieben sein, Wenn es nicht bei der Leiche gewesen war, als man diese fand, war Diebstahl am wahrscheinlichsten. Aber die Brutalität mit welcher dieser bedauernswerte Mensch umgebracht worden war, ging weit über bloßen Raubmord hinaus.
„Wir haben nichts bei der Leiche gefunden, was darauf schließen lässt, dass er Gold bei sich hatte.“
Rhynna überlegte. „Wo habt Ihr denn die Leichen bisher gefunden?“ wollte sie nach einem Moment des Schweigens wissen.
Ein Anflug von Neugierde huschte über Mitternachts fein geschnittene Gesichtszüge und mit neu erwachtem Interesse musterte er sie, wie sie nebenbei bemerkte. Doch ihre gesamte Aufmerksamkeit galt jetzt dem Hauptmann, der sie zwar fragend ansah, jedoch prompt antwortete. „Dies ist der dritte Tote in Folge. Seinen Leichnam und die der anderen haben wir in der Unterstadt gefunden. Die Fundorte der Leichen lagen relativ dicht beieinander, fällt mir da ein. Das ist sicherlich von Relevanz für unsere Ermittlungen.“ Fragend blickte er von Rhynna zu Mitternacht.
Rhynna nagte derweil nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum.
Sie zögerte einen Moment, weil sie nicht sicher war, ob ihre Idee nicht völlig aus der Luft gegriffen war, doch dann sprudelten die Worte aus ihr hervor. „Könnte es eventuell sein, dass die Fundorte nicht mit dem tatsächlichen Ort des Todes übereinstimmen?“ Sie erntete einen verwirrten Blick von Ser John und bemerkte wie das interessierte Funkeln in Mitternachts Augen noch heller zu strahlen begann. „Ich meine, da die Opfer durch das vorherige Verabreichen dieses Trankes nicht bluten konnten, ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass ihre Leichen erst im Nachhinein an den jeweiligen Fundort gebracht wurden.“
Sie wandte sich direkt an den Leichenbestatter und sah ihn eindringlich an. „Habt Ihr bei Euren Untersuchungen irgendetwas gefunden, was meine Theorie unterstützt?“
Einige Sekunden verstrichen, in denen sie sich einfach nur ansahen.
Rhynna wartete gespannt auf seine Antwort. Würde er es Ihnen mitteilen, wenn es so wäre, wie sie vermutete? Oder würde seine scheinbare Antipathie ihr gegenüber und allem wofür sie stand ihn dazu veranlassen etwaige Erkenntnisse zu verleugnen?
Dann lächelte er sie beinahe schon anerkennend an. „Nicht schlecht, meine Liebe. Es ist in der Tat so, dass ich an den Schuhen des Toten Rückstände eines ganz besonderen Schlammes gefunden habe. Er muss sich zum Todeszeitpunkt in der Kanalisation von Dalanis aufgehalten haben. Anders kann ich mir diese Spuren nämlich nicht erklären, denn nur dort findet man Schlamm von derartiger Zusammensetzung. “
Ser John seufzte schicksalsergeben. „Nun gut. Dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als uns die Kanalisation einmal näher anzusehen.“
Er verneigte sich respektvoll vor Mitternacht. „Dann bedanke ich mich im Namen des Königs und der gesamten Löwenherzgarde für Eure Hilfe. Seid versichert, dass jedes Zusammentreffen mit Euch wahrlich sehr interessant ist.“
Der Leichenbestatter lächelte. „Ihr könnt jederzeit wiederkommen, Herr Hoffmann. Ihr bringt immer so seltene und exquisite Kunstwerke mit, da ist es eine wahre Freude seiner täglichen Arbeit nachzugehen. Darüber hinaus verströmt Ihr den Geruch des Todes, welchen ich schon von weitem riechen kann.“ Er schnupperte anerkennend in die Richtung des Hauptmannes.
Ser John lachte schallend. „Der Geruch des Todes, hört, hört! Solch Lob aus dem Munde eines Mannes, dem Leichen so geläufig sind. Ich fühle mich geschmeichelt.“ Er zwinkerte Rhynna verschmitzt zu, ehe er sich zum Gehen wenden wollte.
Doch Mitternacht hielt ihn zurück. „Wartet bitte.“
Der Hauptmann drehte sich zu ihm um. „Ja?“
Er erfuhr nie, was der Leichenbestatter ihm ursprünglich sagen wollte. Hinten ihnen erklang die sanfte melodische Stimme eines Mannes, die Rhynna wohl vertraut war.
Fassungslos drehte sie sich um.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

25

Tuesday, May 29th 2012, 1:26pm

Oh man :yay:! Wie kannst du nur an so einer Stelle aufhören :(! Ich platze ja vor Neugier! Bitte - bitte! Schreib schnell weiter!
:yay:

26

Friday, June 1st 2012, 8:46pm

Danke für deine lieben Worte, Merilvor! :)
Ich weiß Cliffhanger sind was Gemeines, aber manchmal sind sie eben von Vorteil für den Schreiber ^^

Hier ist aber nun die Fortsetzung. Viel Vergnügen beim Lesen!

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Rhynnas Herz raste und ihre Gedanken überschlugen sich. Sie starrte den Fremden mit großen Augen an und hörte kaum was er sagte. Dafür war sie einfach zu überrascht.
Sie fühlte sich jäh in vergangene Zeiten zurückversetzt, als sie mit Monchie, Pen, Baumgard und den anderen von einem Abenteuer ins nächste gestolpert war.
Tausend Erinnerungen überfluteten sie, kleine Episoden längst verstrichener Erlebnisse blitzten vor ihrem inneren Auge auf, lösten sich im Sekundentakt gegenseitig ab.
Und da war er.
Der geheimnisvolle Fremde.
In Zeiten großer Not war er ihr stets als Vision im Traum erschienen, hatte ihr neuen Mut gespendet und einen Ausweg aus der jeweiligen Misere aufgezeigt. Ohne ihn stünde sie nun nicht hier.
Das sie ihn jemals kennenlernen würde, hatte sie nicht erwartet. Zu sehr hatte sie sich an ihn als körperloses Wesen gewöhnt, welches nur in ihren Gedanken zu existieren schien.
Doch nun stand er leibhaftig vor ihr.
Sie versuchte sich zu beruhigen und verscheuchte eilig alle Gedanken an die Vergangenheit. Dann konzentrierte sie sich auf das Gespräch.
„Ihr solltet nicht überstürzt handeln, guter Freund,“ meinte der mysteriöse Fremde gerade zu Mitternacht. „Lasst Euch nicht von Euren Vorurteilen leiten, sondern macht Euch ein eigenes Bild von ihr und ihren Fähigkeiten.“
Moment einmal, er sprach über sie!
Rhynna stutzte und hörte gebannt zu.
„Ich habe ein Strahlen gesehen, welches in der aufkommenden Dunkelheit zu erlischen drohte. Doch es erlosch nicht, gleich wie sehr es auch flackern mochte. Ich denke sie ist dieses Strahlen.“
Die Blicke der drei Männer wanderten augenblicklich zu Rhynna, deren Wangen sofort von einer feinen Röte überzogen wurden. Ser John sah recht verwundert aus, in Mitternachts Augen spiegelte sich Neugierde und der Fremde hatte ein wissendes Funkeln im Blick. Ihr war sehr unbehaglich zumute unter der immensen Intensität dieser Blicke.
Ein Strahlen in der Dunkelheit... Und er glaubte, dass könnte sie sein? Sie hegte da so ihre Zweifel.
Schließlich räusperte Ser John sich vernehmlich. „Nun, ich denke, dann gehen wir jetzt besser, werter Mitternacht, damit Ihr Euch mit Eurem... Freund austauschen könnt. Offenbar gibt es eine Menge zu erzählen und da wollen wir gewiss nicht stören. Habt Dank, dass Ihr Euch so rasch der Angelegenheit habt annehmen können.“
Mitternacht neigte leicht den Kopf. „Jederzeit wieder, Herr Hauptmann. Ihr wisst, dass Ihr und Eure Kunstwerke gern gesehene Gäste in meinem Hause sind. Allerdings würden mein Freund und ich gerne noch mit unserer Priesterin hier ein paar Worte wechseln, wenn Ihr gestattet.“
Ser John hob irritiert eine Augenbraue ob dieser Bitte, Rhynna jedoch kam es sehr gelegen. Sie brannte darauf zu erfahren wer dieser Fremde war und was er genau mit seinen Worten sagen wollte.
„Selbstverständlich gestatte ich es,“ sagte der Hauptmann schließlich. Er wandte sich an Rhynna. „Trefft mich in der Kaserne, wenn Ihr hier fertig seid, damit wir das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit besprechen können.“
Sie nickte. „Natürlich.“
Er brummte zufrieden, ehe er sich umdrehte und das Bestattungsinstitut verließ.
Kaum war er zur Tür hinaus, fragte Rhynna: „Wer bei Ayvenas seid Ihr?“ Der Blick ihrer grünen Augen fixierte den Fremden voller Neugierde und ungeduldig wartete sie auf seine Antwort.
Im Übrigen sah er noch genauso aus wie in ihren Visionen: Das Gesicht verdeckt von einer fein gearbeiteten weißen Maske, die langen silberblonden Haare zurück gebunden, stand er in seiner hellgrauen Robe da und musterte sie mit einem kleinen amüsierten Lächeln.
„Ihr habt mich also erkannt. Das ist gut. Ihr könnt mich Morgenstern nennen, wenn Ihr mögt, denn unter diesem Namen kennt man mich hier.“
Zaghaft lächelte sie ihn an. „Schön Euch nach all dieser Zeit endlich einen Namen geben zu können,“ sagte sie dann. „Ich weiß nicht was ich ohne Eure Hilfe getan hätte. Wenn Ihr nicht gewesen wärt, dann...“
Mit einer beschwörenden Geste seiner Hände unterbrach Morgenstern sie. „Bitte, dankt mir nicht. Ich fürchte es war nicht ganz uneigennützig, dass ich Euch bei Euren früheren Abenteuern mental beistand.“
Verwirrt runzelte sie die Stirn. „Wie meint Ihr das?“
Nun mischte Mitternacht sich ein. „Er will damit sagen, dass Er Euch geholfen hat, weil er damals schon wusste welch wichtige Rolle Ihr für noch kommende Ereignisse spielen werdet.“
Morgenstern lächelte. „So ist es. Euch ist großes vorher bestimmt, Rhynna, da bin ich mir sicher. Vertraut auf Euch und Eure Fähigkeiten, dann werdet Ihr die immer mächtig werdende Dunkelheit besiegen.“
Ihr Blick war voller Zweifel, als sie sich bemühte in den Tiefen seiner Augen zu lesen, welche im Schatten der Maske leicht verborgen waren. Ungläubig schüttelte sie den Kopf. „Was macht Euch so sicher? Woher nehmt Ihr diese Gewissheit? Ich bin nur eine gewöhnliche Priesterin, auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit. Da ist absolut nichts Heroisches an mir. Ihr müsst Euch irren!“
„Auch wenn Ihr es nicht glauben könnt, so ist es doch nicht weniger wahr. Habt mehr Vertrauen in Euch. Ihr werdet es eines Tages verstehen und sehen, dass ich die Wahrheit spreche.“
Rhynna wollte ihm erneut widersprechen, doch dazu kam sie nicht.
Erneut vernahm sie eine Stimme, die ihr nur zu gut bekannt war.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

27

Friday, June 15th 2012, 11:05am

„Hallo? Ist da wer?“
Dieser melodische, glockenhelle Klang... Rhynna kannte nur eine Person, die sich so lieblich anhörte, wenn sie sprach.
Als dann auch noch ein Kopf mit langen schwarzen Haaren, geschmückt von einem Kranz aus Blättern und Blüten hinter dem Vorhang hervorlugte, gab es nicht mehr den geringsten Zweifel.
Mit einem freudigen Aufschrei stürzte Rhynna zu der hochgewachsenen Elfe, die zum Vorschein kam. „Evaline!“ rief sie.
Über die ebenen Gesichtszüge der schönen Elfe huschte ein überraschter Ausdruck ehe ein helles Lächeln diesen verdrängte. „Rhynna! Was machst du denn hier?“
Lachend lagen sich die beiden Freundinnen in den Armen, die Umgebung um sich herum völlig vergessend. Zu groß war die Freude über ihr unerwartetes Wiedersehen.
Rhynna schmunzelte. „Dasselbe könnte ich dich fragen. Ich dachte du hilfst diesem Morrok Wallinder bei seinem Problem?“
„Das tut sie auch,“ ertönte da auf einmal eine tiefe Stimme von hinten.
Erschrocken löste sich Rhynna aus der Umarmung und blickte hoch in das halb im Schatten einer Kapuze liegende Gesicht eines großen Mannes. Er war breitschultrig und recht kräftig gebaut ohne jedoch stämmig zu wirken. Seine Kleidung war schlicht und pragmatisch. Das einzig ungewöhnliche an ihm war das weiße Fell, welches wie ein Umhang über seinen Rücken fiel.
„Ah, Morrok Wallinder, mein Freund!“ begrüßte Mitternacht den neuen Gast lächelnd. „Habt Ihr alles mitgebracht worum ich Euch gebeten habe?“ In seinen Augen stand wieder dieses beinahe wahnsinnige Funkeln, welches Rhynna einen Schauer über den Rücken jagte.
„Euer Assistent hat es bereits in Empfang genommen.“ Morroks Stimme war ruhig, fast monoton und er beobachtete Rhynna die ganze Zeit, während er sprach.
Wortlos erwiderte sie seinen Blick. Er hatte irgendetwas sehr Merkwürdiges an sich, doch sie konnte nicht genau benennen was es war, das ihn so anders wirken ließ.
Mitternacht rieb sich erfreut die Hände. „Ausgezeichnet! Ihr erstaunt mich immer wieder aufs Neue, werter Freund!“ Ein listiges Lächeln erschien um seine Mundwinkel. „Konntet Ihr mir denn auch die andere Ingredienz beschaffen?“
Morrok nickte knapp.
Evaline verzog das Gesicht und holte behutsam ein bauchiges Gefäß aus ihrer Tasche. In der öligen Flüssigkeit schwamm eine tote Ratte wie Rhynna angeekelt feststellte.
Die Elfe überreichte Mitternacht eilig das Gefäß mit seinem makabren Inhalt. Verzückt starrte der Leichenbestatter den leblosen Körper der Ratte an und fuhr mit seinen Fingerspitzen beinahe schon liebkosend über das Glas.
„Welch Perfektion,“ murmelte er gebannt. Ohne seine neueste Errungenschaft aus den Augen zu lassen, bedeutete er Morrok ihm zu folgen.
Die beiden verschwanden durch eine Tür nach hinten.
Morgenstern, der alles still beobachtet hatte, räusperte sich und meinte dann zu den beiden Frauen. „Ihr müsst mich nun leider auch entschuldigen. Ich habe noch zu tun. Doch ich bin mir sicher, dass wir uns schon recht bald wiedersehen werden.“
Er verneigte sich leicht vor ihnen, ehe er Rhynna noch einen wissenden Blick zuwarf. „Denkt darüber nach was ich Euch gesagt habe.“
Rhynna nickte ihm zu. „Das werde ich,“ versprach sie.
Mit einem zufriedenen Lächeln drehte er sich um und verließ das Bestattungsinstitut.
Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, wandte Evaline sich an ihre Freundin. „Rhynna, ich weiß zwar nicht wie du das angestellt hast, aber du scheinst ein weiteres Mal teil eines gewaltigen Abenteuers zu sein.“ Die violetten Augen der Elfe fixierten sie mit einem schelmischen Funkeln. „Wie machst du das nur immer?“
Verdutzt betrachtete Rhynna ihre Freundin. Glaubte diese wirklich, dass sie in ein umfassendes Abenteuer verstrickt war? Dabei war es doch die Elfe, die mit Morrok Wallinder, einem mehr als mysteriösen Mann, durch die Gegend zog!
Sie schüttelte den Kopf. „Du irrst dich, Evaline. Ich gehe nur meiner Arbeit als Mitglied der Löwenherzgarde nach. Das ist alles. Wenn hier jemand drauf und dran ist ein Abenteuer zu erleben, dann wohl eher du. Ich meine, in Öl ertränkte Ratten, ich bitte dich!“
Gekonnt ignorierte die Elfe diesen Einwurf. „Ach? Und dieser sonderbare Mann mit der Maske? Er hat dir eine Botschaft mit auf den Weg gegeben oder täusche ich mich da?“
Prüfend mustere Evaline ihre Freundin.
Rhynna rang unter ihrem durchdringenden Blick nervös die Hände. „Ja, schon. Und dennoch glaube ich, dass das nichts weiter zu bedeuten hat. Er muss sich irren.“
„Blödsinn!“ schnaubte die Elfe wenig damenhaft. „Er sah mir nicht so aus wie jemand, der umher läuft und einem Dinge weismachen will, die nicht der Wahrheit entsprechen.“
„Wenn du meinst,“ murmelte Rhynna, immer noch nicht bereit, das alles so hinzunehmen, was Morgenstern ihr gesagt hatte. Es war einfach zu absurd.
Schwungvoll warf Evaline ihre langen Haare zurück. „Ja, das meine ich. Oh, ich wusste schon immer, dass dir Großes beschieden sein wird!“
Rhynnas Wangen färbten sich rot. „Jetzt fang du nicht auch damit an.“
„Dann eben nicht.“ Evaline zog einen kleinen Schmollmund, was Rhynna zum Lachen brachte. Zufrieden damit, dass es ihr gelungen war die Freundin zu erheitern, setzte sie die Unterhaltung fort. „Jetzt musst du mir aber erzählen, wie es kommt, dass du bei der Löwenherzgarde bist. Ich dachte da können nur Ritter hin?“
Und so erzählte Rhynna ihr alles von Anfang an und auch Evaline berichtet von den Geschehnissen, die sich seit ihrem letzten Treffen ereignet hatten.
Als Mitternacht und Morrok von hinten zurückkamen und Morrok verdeutlichte, dass sie nun weiter mussten, verabschiedeten sich die beiden Freundinnen voneinander und versprachen sich, sich bald wieder zu treffen.
Nachdem sie auch Mitternacht Lebewohl gesagt hatte, begab Rhynna sich direkt zu John Hoffman, um das weitere Vorgehen mit ihm zu besprechen.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

28

Wednesday, June 27th 2012, 11:13pm

Callaway Kalume blickte sich immer wieder aufmerksam um, während er lautlos durch die dunklen Gassen von Dalanis schlich.
Niemand durfte merken, dass er sich erneut aus dem Palast gestohlen hatte. Man hielt ihn ohnehin schon für den unfähigsten König, der je auf dem Thron gesessen hatte, da durfte er den Klatschbasen nicht noch mehr Nahrung für ihre unverschämten Halbwahrheiten liefern.
Das Risiko von jemanden gesehen und eventuell erkannt zu werden, bestand allerdings immer, weshalb er wieder einmal inkognito unterwegs war. Er hatte seine sonst so prunkvollen Gewänder gegen schlichte dunkle Kleidungsstücke eingetauscht, die halb verborgen unter einem einfachen Umhang waren, genau wie das Schwert, welches er sich vorsorglich umgegürtet hatte.
Seine schulterlangen rotbraunen Haare, die er sonst immer offen trug, hatte er mit einem dunkelblauen Band aus Samt zurück gebunden, die einzige Dekadenz, die er sich bei seinem äußeren Erscheinungsbild erlaubte.
Jemand der dem König noch nie begegnet war, würde ihn in dieser Aufmachung nicht erkennen. Vor allem nicht, da er unter anderem Namen auftrat und sich schlicht und ergreifend Toni nannte.
Es mochte merkwürdig erscheinen, dass er sich als Herrscher klammheimlich aus seinem eigenen Palast schlich, doch er hatte seine Gründe dafür und die konnte er niemanden offenbaren. Keiner würde verstehen, dass er auf der Suche nach sich selbst war, um der König zu werden, den sein Volk verdiente.
Er wusste nur zu gut, dass er mit seinen achtundzwanzig Lenzen noch viel lernen musste, was das Herrschen anging. In vielen Belangen war er zu unbedacht und ungestüm, wollte zu viel in zu kurzer Zeit ohne an die möglichen Konsequenzen zu denken.
Das musste sich ändern.
Sonst würde er zwangsläufig versagen und das würde seinen Feinden direkt in die Hände spielen. Wer auch immer diese waren, sie durften nicht die Kontrolle gewinnen, sonst war Zandorya dem Untergang geweiht.
Er schnaubte wütend bei dem Gedanken daran und bog schwungvoll um die nächste Ecke. Er würde schon noch herausfinden, wer seinen Vater hatte umbringen lassen und nun alles tat um ihn zu sabotieren. Gleich wie lange es dauern mochte, eines Tages würde er wissen wer hinter all dem Übel steckte und dann würde er denjenigen seiner gerechten Strafe zukommen lassen.
Es war nur eine Frage der Zeit.
Er befand sich nun tief in den heruntergekommenen Randbezirken von Dalanis. Langsam schritt er die halb verfallenen Stufen hinunter, die zum Eingang der Kanalisation, seinem Ziel, führten.
Er rümpfte angewidert die Nase, als ihm die vielfältigen üblen Gerüche entgegen schlugen, doch er musste dort hinunter, wenn er herausfinden wollte wer für die grausame Ermordungen der letzten Zeit verantwortlich war.
Entschlossen zwängte er sich durch die schmale Öffnung und bahnte sich vorsichtig einen Weg nach unten.
Eine Ratte quietschte empört auf, als er ihr auf den Schwanz trat und schnappte nach seinem Stiefel. Fluchend sprang er einen Schritt zurück und blieb mit dem linken Arm an etwas Klebrigen hängen. Als er mit der rechten Hand danach griff und versuchte sich zu befreien, vernahm er ein unheilvolles Klicken, welches ihn augenblicklich in Alarmbereitschaft versetzte.
Mit einem Ruck kam er frei und zog sein Schwert. In dem fahlen Licht, welches hier unten herrschte konnte er den massigen Leib einer besonders großen Kanalspinne ausmachen, welche kaum zehn Schritte von ihm entfernt stand und geifernd ihre Beißwerkzeuge klackern ließ.
Sein Verstand arbeitete fieberhaft und er überlegte wie er gegen diese Kreatur vorgehen sollte. Er war zwar ein ganz passabler Schwertkämpfer, aber gegen ein echtes Monster hatte er nie zuvor kämpfen müssen. Schon gar nicht auf Leben und Tod.
Während er in Angriffsstellung ging, schoss plötzlicher ein heller Strahl gleißenden Lichts aus der Dunkelheit hervor und traf die gigantische Spinne mit voller Wucht. Das große Insekt ließ einen markerschütternden Schrei ertönen, ehe es qualmend zu Boden sank.
Toni schirmte seine Augen gegen das grelle Licht ab und blinzelte verwirrt. Er ließ das Schwert wieder sinken, als sich eine schmale Gestalt aus den Schatten hinter den Überresten des Ungetüms löste.
Im schwachen Leuchten einer blau rotierenden Kugel eines Zauberstabs erkannte er eine junge Frau, die ihn neugierig musterte. Sie trug eine einfach geschnittene Kurzrobe über einer schlichten Hose. Abgerundet wurde ihre Erscheinung von einem Umhang, der über ihren Rücken fiel, und schwarzen hohen Stiefeln, welche ihr bis an die Knie reichten.
Irritiert starrte er sie an. Was machte sie zu dieser späten Stunde hier unten so ganz allein? Dies war ein gefährlicher Ort wie er eben eindrucksvoll bewiesen bekommen hatte. Eine Frau wie sie sollte nicht schutzlos hier umher irren.
Er wartete darauf, dass sie etwas sagte, doch fürs erste schwieg sie und sah ihn einfach nur an. Irgendetwas in ihren Augen fesselte ihn und machte es ihm unmöglich wegzuschauen. Zu seinem Bedauern konnte er nicht erkennen von welcher Farbe sie waren, dazu war es hier unten einfach zu schummrig.
Wer mochte sie sein? Er hatte sie noch nie zuvor gesehen. An jemanden wie sie hätte er sich gewiss erinnert.
Der Moment des gebannten Innehaltens verflog schneller als ihm lieb war. Die Fremde senkte den Blick und verstaute ihren Stab auf dem Rücken.
„Gern geschehen,“ meinte sie dann trocken und warf ihm einen herausfordernden Blick zu.
Augenblicklich überzog eine feine Röte sein Gesicht und er war froh, dass sie das in dem herrschenden Dämmerlicht nicht sehen konnte.
Wie überaus unhöflich von ihm. Da hatte sie ihm allem Anschein nach soeben das Leben gerettet und anstatt ihr dafür zu danken, starrte er sie einfach nur wortlos an wie irgend so ein Dämlack.
„Verzeiht mein Versäumnis mich bei Euch für die willkommene Hilfe zu bedanken,“ entschuldigte er sich schließlich. „Ich war überrascht hier unten jemand anderem zu begegnen.“ Er deutete eine leichte Verbeugung an, die sie mit einem kleinen Lächeln quittierte.
„Lasst nur, ich bin mir sicher in diese Gefilde verschlägt es nicht allzu oft jemanden. Zumindest nicht freiwillig.“ Sie rümpfte ihre Nase, wie um deutlich zu machen, dass es dafür auch gute Gründe gab. „Das wiederrum führt mich allerdings zu der Frage wer Ihr seid und was Ihr hier tut.“
Sie hob fragend eine ihrer fein geschwungenen Augenbrauen. Ihre Augen hielten seinen Blick fest und forderten ihn zu einer Erklärung heraus.
Toni fand ihr Gebaren im ersten Moment ziemlich unverschämt und wollte ihr schon eine seiner üblichen arroganten Antworten geben, als er etwas bemerkte, was ihm zuvor entgangen war. Der Umhang, welcher ihre Schultern zierte, wies sie als Mitglied der königlichen Löwenherzgarde aus!
Ihm stockte der Atem bei dieser Erkenntnis.
Welch Glück, dass sie ihn nicht zu erkennen schien, ansonsten wäre er in großer Erklärungsnot gewesen.
Er verkniff sich seine ursprüngliche Erwiderung und meinte nur: „Man nennt mich Toni. Ich... ich bin ein Vagabund auf der Suche nach Antworten.“
Ein interessierter Ausdruck huschte über ihre hübschen Gesichtszüge ehe sie das Wort wieder an ihn richtete: „Ihr solltet nicht allein hier unten umherstreifen. Es geht ein Mörder um, der offenbar Jagd auf die Heimatlosen dieser Stadt macht und sie auf brutalste Art und Weise aus dem Leben reißt. Also passt auf Euch auf, hört Ihr?“
Seine linke Augenbraue schnellte jäh in die Höhe.
Interessant. Das konnte nur bedeuten, dass John Hoffman sie in die Ermittlungen rund um die mysteriösen Todesfälle miteinbezogen hatte.
Das erschien ihm recht ungewöhnlich, da sie noch nicht lange bei der Garde sein konnte, denn sonst würde er sie kennen.
Wer mochte sie nur sein?
Das Verlangen eine Antwort auf diese Frage zu erhalten wurde immer stärker. Irgendwie musste er ihren Namen in Erfahrung bringen. Doch jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt dafür.
Er räusperte sich. „Ich habe davon gehört. Sorgt Euch nicht, ich bin nicht so allein und wehrlos wie ich vielleicht im Moment erscheinen mag.“
Wieder dieser fragende Blick aus ihren unbeschreiblichen Augen, deren Farbe er immer noch nicht zu benennen vermochte.
Schließlich nickte sie. „Nun gut, wie Ihr meint, Toni. Dann gehabt Euch wohl und lasst Euch nicht von den Kanalspinnen fressen.“
Sie schenkte ihm ein letztes verschmitztes Lächeln, ehe sie auf dem Absatz kehrtmachte und in der Dunkelheit verschwand, bevor er sie daran hindern konnte.
Lange Zeit starrte er ihr nach. Sie war eine außergewöhnliche Frau, soviel stand fest. Er zweifelte nicht daran, dass er ihr wieder begegnen würde und er freute sich bereits jetzt darauf.
Als ihn plötzlich eine ihm wohlbekannte Stimme ansprach, zuckte er unwillkürlich vor Schreck zusammen. „Überaus interessant wie sich das Schicksal manchmal fügt, findet Ihr nicht, Eure Majestät?“
„Morgenstern! Müsst Ihr Euch immer so an mich heranschleichen? Ihr wisst, dass ich das nicht leiden kann,“ tadelte er den Maskierten, der wie ein Geist neben ihm aufgetaucht war. „Außerdem verstehe ich einmal wieder kein Wort von dem, was Ihr da sprecht. Was genau meint Ihr?“
Morgenstern lächelte leicht über den Unmut des Königs und meinte nur: „Ich gehe richtig in der Annahme, dass Ihr soeben die Bekanntschaft einer sehr beeindruckenden jungen Dame gemacht habt, nicht wahr?“
Toni musterte den maskierten Mann neben ihm mit zusammen gekniffenen Augen. „Ihr kennt sie? Verratet mir ihren Namen! Ich bitte Euch.“
„Euer Hoheit, Ihr solltet nicht so ungeduldig sein. Ihr werdet bald erfahren wer sie ist und welche Rolle das Schicksal ihr zugedacht hat. Habt einfach etwas Geduld.“
Toni seufzte resigniert. Er wusste, dass es wenig Sinn hatte Morgenstern weiter auszufragen, wenn er solch ausweichende Antworten gab, Er war bedauerlicherweise nicht gewillt ihm zu verraten wer die Unbekannte gewesen war. Nun war er dazu gezwungen abzuwarten, was ihm alles andere als behagte, hasste er es doch zu warten.
„Kommt mit und lasst uns tun weshalb wir hier hergekommen sind. Oder wollt Ihr hier länger verharren als unbedingt notwendig?“ Fragend blickte Morgenstern ihn durch die Schlitze in seiner Maske an.
Toni schüttelte den Kopf. „Gewiss nicht. Geht bitte voran.“
Die beiden setzten den Weg gemeinsam fort, um ihre eigenen Nachforschungen bezüglich der Mordfälle in der Kanalisation anzustellen.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

29

Wednesday, July 11th 2012, 11:38pm

Am nächsten Morgen fiel es Rhynna schwer aufzustehen. Sie war bis in die frühen Morgenstunden in der Kanalisation unterwegs gewesen und hatte nach Hinweisen gesucht, die Aufschluss über den Mörder gaben. Doch außer den Habseligkeiten des zuletzt getöteten Vagabunden hatte sie nichts gefunden.
Verschlafen blinzelte sie in das grelle Sonnenlicht, welches seine Strahlen durch ihr kleines Fenster sandte. Wie schön wäre es jetzt einfach im Bett liegen zu bleiben und in einen leichten Schlummer zurück zu fallen. Einfach mal die Welt da draußen und all ihre Probleme in den dunklen Tiefen des Schlafes vergessen.
Doch dazu war sie einfach zu pflichtbewusst.
Sie unterdrückte ein Gähnen, ehe sie sich vorsichtig aufrichtete.
Es dauerte einen Moment, doch dann erhob sie sich und tapste barfuß zu der Waschschüssel, welche auf der Kommode stand. Sie goss etwas kaltes Wasser aus dem bereit stehenden Krug in die Schüssel, tauchte dann ihre Hände in das kühle Nass und warf es sich ins Gesicht.
Diesen Vorgang wiederholte sie ein paar Mal bis sie sich einigermaßen erfrischt fühlte. Dann wusch sie ihren restlichen Körper wie sie es jeden Morgen tat.
Während sie ihre Kleidung über der schlichten weißen Baumwollunterwäsche anlegte, kam ihr der Vagabund namens Toni wieder in den Sinn, den sie in der vergangenen Nacht unverhofft kennengelernt hatte.
Irgendetwas an ihm war merkwürdig gewesen, doch sie konnte nicht genau benennen was es war, dass ihn so anders erscheinen ließ. In dem spärlichen Licht hatte sie gesehen, dass er ein sehr ansehnlicher Mann war, mit beinahe schon edlen Gesichtszügen, aber das allein war es nicht was sie sofort in seinen Bann gezogen hatte.
Sie hegte die Vermutung, dass er mehr war, als er zu sein vorgab. Dieser Schluss lag nahe, denn seine gewählte Ausdrucksweise hatte nicht so recht zu seinem einfachen Auftreten passen wollen.
Doch wer mochte er dann sein?
Und wieso hielt er es für notwendig sich unerkannt in die Kanalisation zu begeben um eigene Nachforschungen anzustellen?
Sie nagte nachdenklich an ihrer Unterlippe herum, während sie darüber sinnierte. Dann seufzte sie, band ihre Haare zu ihrem üblichen Zopf zurück und schob jeglichen Gedanken an den mysteriösen Toni beiseite.
Entschlossen machte sie sich auf zu John Hoffman um ihn über die spärlichen Ergebnisse ihrer Ermittlungen zu informieren.
Er war sicherlich nicht erfreut darüber, dass sie so wenig vorzuweisen hatte.


Hauptmann John raufte sich die Haare, als Rhynna mit ihrem Bericht geendet hatte. Mit einem recht ratlosen Gesichtsausdruck starrte er auf das Bündel des verstorbenen Vagabunden, welches sie tief unten in der Kanalisation gefunden hatte.
„Sonst war da wirklich nichts, was uns irgendwie auf die Spur des Täters bringen könnte?“ Fragend schaute er sie an.
Einen kurzen Moment lang erwog Rhynna ihm von Toni zu erzählen, doch dann schüttelte sie den Kopf. „Nein, rein gar nichts. Tut mir leid.“ Sie hatte das leise Gefühl, es wäre das Richtige ihm nichts von der sonderbaren Begegnung zu verraten und so schwieg sie diesbezüglich und setzte eine bedauernde Miene auf.
„Verdammt.“ Der Hauptmann fluchte leise und begann unruhig auf- und abzugehen.
Mit hochgezogener Augenbraue betrachtete Rhynna ihn. Er verhielt sich schon die ganze Zeit reichlich untypisch. Bisher war noch kein humorvoller Spruch über seine Lippen gekommen und für sein übliches Grinsen, war er heute viel zu ernst.
Da war noch mehr, was ihn bedrückte, das war deutlich zu sehen.
„Gibt es ein Problem?“ wollte sie schließlich vorsichtig wissen.
Ser John blieb stehen und stütze seine Hände auf dem großen runden Tisch, welcher in der Mitte des Raumes stand und hauptsächlich zum Besprechen der einzelnen Patrouillenrouten genutzt wurde.
„Ob es ein Problem gibt? Das könnte man so sagen.“ Mit seinen blauen Augen hielt er ihren Blick fest. „Nachdem ich Euch gestern in die Kanalisation geschickt hatte, ließ ich Nigula zu mir rufen. Er sollte einer neuen Spur im Dunkelgassenviertel nachgehen. Eigentlich nichts Schwieriges, geschweige denn Gefährliches, schon gar nicht für jemanden mit Nigulas Fähigkeiten. Und doch ist er bis jetzt nicht zurückgekehrt. Und keiner hat ihn seit gestern Abend mehr gesehen.“
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

30

Sunday, July 22nd 2012, 11:26am

Rhynnas Augen weiteten sich und sie erwiderte den Blick des Hauptmanns erschrocken. „Ihr meint er ist verschwunden?“ Ser John nickte, sein Mund eine schmale Linie.
Besorgt begann Rhynna an ihrer Unterlippe zu nagen. „Das ist in der Tat nicht gut.“ meinte sie dann.
„Ihr sagt es. Wir müssen so schnell wie möglich herausfinden was mit ihm geschehen ist. Ich kann nur hoffen, dass ihm nichts zugestoßen ist.“ Er fuhr sich mit der Hand durch seine dichten Haare, seufzte einmal schwer und nahm das Auf- und Abgehen wieder auf.
Rhynna schwieg. Ihre Gedanken wirbelten wild im Kreis herum und sie betete inbrünstig, dass Nigulas Verschwinden nicht bedeutete, dass er ums Leben gekommen war. Ermittlungen auf eigene Faust waren stets gefährlich, ganz gleich um was es ging. Doch gerade bei diesen Vorfällen war besondere Vorsicht geboten. Immerhin lief dort draußen ein brutaler Mörder herum, der unschuldigen Humanoiden das Herz aus der Brust riss.
Plötzlich drehte Ser John sich auf dem Absatz um und riss sie somit aus ihren unheilvollen Gedanken. „Würdet Ihr Euch auf die Suche nach ihm begeben?“ Sein Blick ruhte hoffnungsvoll auf ihr. „Mir ist bewusst, dass Nigula und Ihr gewisse Differenzen habt und doch...“
„Ihr braucht nicht weiter zu sprechen,“ fiel Rhynna ihm ins Wort und hob abwehrend die Hände. „Solche Dinge sind mir gleich. Glaubt mir, wenn ich sage, dass ich mein Möglichstes tun werde, um herauszufinden was mit ihm geschehen ist. Ihr habt mein Wort darauf.“
Hauptmann John seufzte erleichtert. „Gut. Habt Dank. Ich wusste, dass man sich auf Euch verlassen kann.“
Sie nickte ihm ernsthaft zu und meinte dann. „Ich begebe mich dann gleich auf die Suche nach ihm. Jede Minute zählt, da wir nicht wissen was geschehen ist.“
Sie wollte gehen, doch Ser John hielt sie zurück. „Wartet! Nehmt Weily Loth mit Euch. Er wird Euch zur Seite stehen und Euch den Rücken frei halten. Es ist besser, wenn Ihr nicht alleine seid, Ihr versteht? Ich möchte nicht noch einmal den gleichen Fehler begehen wie bei Nigula...“ Er lächelte schief, ehe er wieder eine ernste Miene aufsetzte. Es war offensichtlich, dass er sich schwere Vorwürfe machte, weil er Nigula alleine los geschickt hatte.
Sie verstand genau was er meinte und sie war ihm dankbar für seine Voraussicht. Sie nickte ihm noch einmal zu, ehe sie den Raum verließ um mit den Nachforschungen zu beginnen.
Hoffentlich fanden sie Nigula.
Lebend.
Ansonsten würde Ser John wohl nie wieder der sein, der er vorher einmal war.


„Und Ihr seid Euch ganz sicher, dass wir hier etwas finden?“ Weily Loth blickte sich zweifelnd um, während er neben Rhynna immer tiefer ins Dunkelgassenviertel schritt.
„Ihr habt doch gehört, was Mitternacht uns erzählt hat. Wenn jemand weiß, was hier vor sich geht, dann er,“ versuchte Rhynna ihren Begleiter zu beruhigen.
Doch so schnell ließ Weily seine Zweifel nicht eindämmen. „Traut Ihr diesem Kerl etwa?“ wollte er mit hochgezogener Augenbraue wissen. „Also ich wäre da vorsichtiger. Er erschien mir recht zwielichtig. Bedenkt in was für einem Gewerbe er tätig ist!“
Allmählich fing sein Gerede an Rhynna auf die Nerven zu gehen. Konnte er nicht einfach akzeptieren, dass sie die Entscheidungen traf? Musste er alles hinterfragen?
„Weily. Mitternacht ist eine wichtige Kontaktperson von Hauptmann John. Wenn er ihm Vertrauen schenkt, dann können wir das auch.“
Ihr Begleiter schnaubte einmal kurz. „Wenn Ihr das sagt.“
Rhynna seufzte resigniert. Offenbar wollte er nicht begreifen.
Allmählich setzte die Dämmerung ein. Das wenige Licht, welches in die verwinkelten Gassen drang, wurde mit jeder Minute, die verstrich, matter, bis es schließlich verblasste.
Unbehaglich blickte Rhynna sich immer wieder verstohlen um. Sie wurde das Gefühl nicht los von allen Seiten beobachtet zu werden. Nicht dass da Jemand oder Etwas in den Schatten lauerte und nur auf den geeigneten Moment wartete um zu zuschlagen.
Hastig verscheuchte sie diese furchteinflößenden Gedanken wieder. Es war nicht von Vorteil, wenn sie sich in einen Zustand der Panik hineinsteigerte.
Es galt Nigula zu finden, und dafür musste sie einen kühlen Kopf bewahren.
Die von Mitternacht beschriebene Stelle lag nun ganz in der Nähe. Sie hoffte, dass sie dort irgendetwas fanden was Aufschluss über das Verschwinden des Rekruten geben konnte.
Plötzlich zog Weily sein Schwert. „Habt Ihr das gehört?“fragte er und sah sich mit wildem Blick um, bereit zum Angriff.
Irritiert blinzelte Rhynna ihn an. „Gehört? Was denn?“
Und dann vernahm sie es ebenfalls. Aus der Gasse vor Ihnen drang ein unheimliches Stöhnen, gefolgt von einem schmerzverzerrten Wimmern.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

31

Monday, July 23rd 2012, 9:53am

Bei Ayvenas! Da benötigte jemand Hilfe!
Augenblicklich waren alle ihre Priestersinne wach. Ohne an die drohende Gefahr zu denken, stürzte sie in die Gasse, aus der die unterdrückten Laute des Schmerzes kamen. Weily war ihr dicht auf den Fersen.
Als Rhynna die zusammen gekrümmte, blutüberströmte Gestalt am Boden erkannte, verharrte sie jäh und schlug sich entsetzt eine Hand vor den Mund. Auch Weily schnappte nach Luft, als er gewahr wurde wer dort lag.
Vor ihnen lag Nigula Hura, mit kreidebleichen Gesicht und geschlossenen Augen. Sein ganzer Körper war mit etlichen Messerwunden übersät, die vereinzelt noch bluteten.
Hastig sank Rhynna neben ihm auf die Knie und suchte nach seinem Puls. Sie war erleichtert, als sie diesen zwar schnell, aber regelmäßig unter ihren Fingerkuppen schlagen fühlte. Das bedeutete, dass Nigula nicht unmittelbar in Lebensgefahr schwebte.
Sie überkreuzte ihre Hände und legte sie auf seine Brust, genau auf die Stelle, unter der sein Herz gegen ihre Fingerspitzen pochte. Dann schloss sie die Augen und blendete alles um sich herum aus. Sie konzentrierte sich völlig auf den verletzten Körper unter sich und fing leise an die uralten Worte zu murmeln, die ihre Gabe freisetzen würden. Durch ihre Hände sandte sie Strahlen heilender Energie in Nigulas geschundenen Körper.
Langsam begannen sich seine Wunden zu schließen und in sein Gesicht kehrte etwas Farbe zurück. Seine Augenlider flatterten, ehe er blinzelnd die Augen öffnete und hoch in ihr Gesicht sah.
Rhynna meinte so etwas wie Erkennen in den glasigen Tiefen aufblitzen zu sehen und schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln.
„Knopf...“ wisperte er heiser und öffnete langsam seine rechte Hand. Überrascht starrte Rhynna ihn an, unschlüssig was sie tun sollte.
„Nehmt ihn... Bitte...“ Nigulas Flüstern klang drängend. Offenbar war es ihm sehr wichtig, dass sie den Knopf an sich nahm. Sie nickte, um ihm zu signalisieren, dass sie verstanden hatte, und griff dann behutsam nach dem schwarz glänzenden Kleinod.
„Danke,“ murmelte sie dann. Dieser Knopf war ein wichtiger Hinweis auf diejenigen, die Nigula so zugerichtet hatten. Sorgsam steckte sie ihn in ihre kleine Tasche, in der sie Heilkräuter und Medizin aufbewahrte.
Nigula seufzte erleichtert, ehe er das Bewusstsein verlor und in die tiefen Schwärzen des Vergessens abdriftete.
„Geht es ihm... gut?“ wollte Weily zögernd wissen und blickte besorgt hinab auf den regungslosen Körper seines Kameraden.
Rhynna legte ihren Umhang ab, rollte ihn zusammen und schob ihn vorsichtig unter Nigulas Kopf. „Er ist sehr schwach, da er so viel Blut verloren hat. Doch er wird es schaffen, vertraut mir. Nun müssen wir ihn irgendwie zurück in die Kaserne bekommen, damit er dort in Ruhe genesen kann.“ meinte sie dann und runzelte sorgenvoll die Stirn. Sie hatte nicht den blassesten Schimmer wie sie das anstellen sollten.
Alleine zurück lassen konnten sie den Bewusstlosen unter keinen Umständen. Doch genauso wenig konnte einer von ihnen allein losgehen um Hilfe zu holen. Was wenn der oder die Täter noch in der Nähe waren? Dieses Risiko konnten sie nicht eingehen.
Plötzlich erscholl hinter den umgestürzten Fässern in der Ecke ein lautes Niesen.
Rhynna sprang erschrocken auf.
Weilys Gesicht hatte sich zu einer grimmigen Miene verzogen, als er sich nun mit erhobenen Schwert den Fässern näherte. „Zeigt Euch!“ verlangte er gebieterisch.
„Tut mir nichts, werter Ritter!“ erklang die dünne Stimme eines Mannes, der langsam aus den Schatten heraustrat und sie furchtsam musterte. Er war in Lumpen gekleidet und machte einen ziemlich jämmerlichen Eindruck.
Ehe Rhynna ihn fragen konnte was er hier machte, war Weily mit zwei langen Schritten bei ihm, verdrehte ihm grob den Arm auf den Rücken und hielt ihm sein Schwert an die Kehle.
Der Mann schrie vor Schmerzen und Angst auf, doch Weily blieb unerbittlich. „Was habt Ihr hier zu suchen? Sprecht schnell oder sterbt!“ zischte er wutentbrannt.
„Bitte! Ich bin unschuldig! Ich habe nichts getan! Bitte, verschont mich!“ winselte der Mann und starrte mit weit aufgerissenen Augen zu Rhynna, sie stumm anflehend ihm zu helfen.
„Weily!“ rief Rhynna nach dem ersten Schreck. „Kommt zu Sinnen! Er ist nur ein Vagabund. Er kommt als Täter nicht in Frage, aber vielleicht kann er uns helfen. Lasst ihn los!“ Beschwörend sah sie den Rekruten an, der schließlich einen Laut des Unmuts von sich gab und sein Schwert sinken ließ.
Schluchzend sank der Vagabund auf den Boden, dankbar dafür, dass man ihm nichts getan hatte. Rhynna kniete sich neben ihm und sah ihn freundlich an. „Und nun erzählt uns weshalb Ihr Euch hier aufhaltet. Habt Ihr vielleicht gesehen, wer unseren Kameraden derart zugerichtet hat? Wenn Ihr irgendetwas wisst, dann verratet es uns bitte.“
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

32

Wednesday, July 25th 2012, 9:13am

Der Mann sah sie eine ganze Weile einfach nur stumm an, so als würde er abwägen ob es ratsam wäre ihnen die Wahrheit zu erzählen. Furcht und Argwohn spiegelten sich in seinen Augen wieder. Sein Blick schweifte zu Weily und als er gewahr wurde, wie finster dieser ihn musterte, zuckte er unwillkürlich zusammen.
„Wenn Ihr mir versprecht, dass Ihr mich gehen lasst, sobald Ihr alles wisst, dann könnte ich Euch vielleicht etwas erzählen,“ meinte er dann und stand schwankend wieder auf.
Auch Rhynna erhob sich. „Ihr habt mein Wort darauf,“ sagte sie und nickte ihm beruhigend zu.
„Also schön. Ich weiß es ist Unrecht, was ich getan habe, aber als ich Euren Kameraden bewusstlos am Boden sah, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Ich... ich habe ihm seine Geldbörse entwendet und wollte mich gerade aus dem Staub machen, als ich plötzlich am Boden etwas Merkwürdiges fand. Nämlich das hier,“ berichtete der Vagabund, ehe er mit zitternden Fingern in seine Tasche griff und einen schmalen Lederbeutel hervorholte.
Eilig ließ er ihn in Rhynnas ausgestreckte Hand plumpsen, so als wäre ihm nicht wohl dabei ihn in seinem Besitz zu haben. „Ich habe keine Ahnung was drin ist, aber ich glaube es könnte Euch helfen,“ meinte er nervös.
Ohne den Vagabunden aus den Augen zu lassen, öffnete Rhynna den Beutel und holte ein gefaltetes Stück Pergament heraus. Sie faltete es auseinander und starrte auf die unordentliche, ziemlich chaotisch anmutende Zeichnung, die sich darauf befand. Wenn sie nicht alles täuschte, dann handelte es sich hierbei um eine Karte. Allerdings um keine, die sie zu lesen vermochte. Um sie zu entschlüsseln würde sie Hilfe benötigen.
Weily spähte neugierig über ihre Schultern und runzelte angestrengt die Stirn. „Was soll denn das für ein Gekritzel sein?“ wollte er wissen. „Das kann doch kein Mensch lesen!“
Rhynna sah ihn mit hoch gezogener Augenbraue an und faltete die Karte wieder ordentlich zusammen, ehe sie diese im Beutel verstaute. „Schon einmal daran gedacht, dass genau das bezweckt worden sein könnte?“
Die Wangen des jungen Rekruten färbten sich dunkelrot. „Oh!“ machte er peinlich berührt und räusperte sich verlegen.
„Und was machen wir jetzt mit ihm? Eigentlich müssten wir ihn schon allein wegen des Diebstahls von Nigulas Börse in Gewahrsam nehmen.“ Er funkelte den Vagabunden böse an, um ihn zu zeigen, dass er ihn keineswegs vergessen hatte.
Dieser schluckte schwer und starrte die beiden Gardisten der Löwenherzgarde an wie das Kaninchen die Schlange anstarrt.
Rhynna ließ den schmalen Lederbeutel mit der Zeichnung in ihrer Kräutertasche verschwinden. „Er kann gehen.“
Weily blieb der Mund vor Überraschung offen stehen. „Aber...“
„Kein aber. Er hat uns geholfen und ich habe ihm mein Wort gegeben, dass er dann gehen darf. Und ich gedenke es zu halten.“ Sie warf Weily einen scharfen Seitenblick zu. „Außerdem solltet Ihr nie vergessen, dass Ihr einst in derselben Lage ward wie er.“
Weilys Widerstand schmolz bei diesen Worten dahin. Er sah mit einmal sehr nachdenklich aus.
Rhynna wandte sich an den Vagabunden. „Händigt mir die gestohlene Geldbörse aus. Dann könnt Ihr wie versprochen Eurer Wege ziehen.“
Widerstrebend tat der Angesprochene das, was sie verlangte, ehe er sich umdrehte und hastig in den dunklen Schatten verschwand.
„Ihr habt ein viel zu weiches Herz,“ brummte Weily, und steckte sein Schwert weg.
Rhynna zuckte gleichmütig mit den Schultern. „Und wenn schon. Lasst das mal meine Sorge sein.“
Sie eilte wieder an Nigulas Seite und überprüfte ein weiteres Mal seinen Puls. Dieser schlug gleichmäßig und kräftig unter ihren Fingern. Ein gutes Zeichen.
„Wir müssen einen Weg finden ihn gemeinsam zurück in die Kaserne zu bringen. Hier draußen ist es viel zu gefährlich. Und zwar für uns alle.“ sagte sie dann und blickte sich besorgt um.
„Wohl wahr,“ erklang da plötzlich eine Stimme aus der Dunkelheit.
Erschrocken erhob Rhynna sich wieder und stellte sich schützend vor den Körper des Bewusstlosen. Weily war direkt neben ihr, die Hand am Schwertknauf, bereit es sofort zu ziehen, sollte es die Situation erfordern.
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33

Friday, July 27th 2012, 10:40am

„Aber, aber! Erkennt Ihr denn die Stimme eines Freundes nicht mehr, wenn Ihr sie vernehmt?“ Wenige Schritte vor ihnen trat Mitternacht aus den Schatten der Häuser, flankiert von seinen beiden Gehilfen, einem Limon und einem Rhino, die nun offenbar als Leibwächter fungierten.
Erleichtert stieß Rhynna die Luft wieder aus, von der sie nicht einmal bemerkt hatte, dass sie sie angehalten hatte. „Ihr seid es nur.“ seufzte sie.
Mitternacht hob eine seine fein geschwungenen Brauen und musterte sie mit einem amüsierten Lächeln. „Hattet Ihr jemand anderen erwartet, meine Liebe?“
Rhynna schüttelte den Kopf. „Eigentlich hatte ich niemanden erwartet.“
Mitternacht ließ sein bizarres Lachen ertönen, bei dem sich ihre Härchen im Nacken augenblicklich aufstellten. „Ich dachte einfach Ihr könntet Hilfe gebrauchen, wenn Ihr Euren Freund tatsächlich findet.“
Er wandte sich an seine Gehilfen. „Horaz, Ignitio, tragt den Verletzten zur Kaserne. Der junge Rekrut hier wird euch Geleitschutz geben.“ befahl er dann und deutete auf Weily, der immer noch nervös seinen Schwertknauf umklammert hielt. Die beiden nickten stumm und hoben den Körper des bewusstlosen Nigulas vorsichtig hoch.
Weily starrte unschlüssig von ihnen zu Rhynna. „Aber... ich...“ Offenbar behagte es ihm nicht, sie mit Mitternacht allein zurück zu lassen.
Rhynna legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Macht Euch keine Gedanken um mich, Weily. Ich komme schon zurecht. Bringt Nigula sicher nach Hause und ruht Euch dann aus.“
Zweifelnd blickte er sie an, nickte dann aber zustimmend. „Also gut, wie Ihr wünscht.“ Er bedeutete den beiden stämmigen Humanoiden ihm zu folgen und schritt voran.
Rhynna blickte den dreien hinterher bis die Schatten sie verschluckten und ihre Schritte verklungen waren. Dann wandte sie sich wieder Mitternacht zu und kramte den Knopf und den schmalen Lederbeutel mit der unordentlichen Karte hervor.
„Wisst Ihr vielleicht vorher das hier stammt?“ Fragend blickte sie ihn an und streckte ihm die beiden Indizien entgegen.
Mitternacht legte die Stirn in Falten und nahm beide Hinweise mit seinen langen Fingern aus ihren Händen, um sie näher zu begutachten. Er kniff die Augen zusammen und drehte den Knopf zwischen seinen Fingern. Dann huschte ein wissendes Lächeln über seine Gesichtszüge.
„Ich denke, ich habe eine Ahnung, zu wem dieser Knopf gehören könnte,“ meinte er schließlich und gab ihn ihr zurück.
Rhynnas Augenbraue schoss in die Höhe. „Und werdet Ihr mir diese Ahnung auch mitteilen?“ Irgendetwas an seinem Lächeln und der Art wie er sie anstarrte war äußerst beunruhigend. Sein intensiver Blick schien sie zu durchbohren, so als wollte er ihr Innerstes gegen ihren Willen genauestens erforschen.
„Gewiss, werde ich das, meine Liebe.“ Rhynna wollte bereits erleichtert aufatmen, als er hinzufügte: „Allerdings möchte ich Euch zuvor ein Versprechen abnehmen.“
Misstrauisch kniff sie die Augen zusammen. „So? Um was für ein Versprechen handelt es sich denn?“
Er antwortete nicht gleich, sondern lächelte versonnen und begann sie langsam zu umkreisen. „Solch ein graziler Körper, in dem eine immense innere Kraft ruht, die man bei einer derart zierlichen Gestalt niemals für möglich halten würde. Ihr seid außergewöhnlich, wisst Ihr das?“ Sein Blick wanderte anerkennend an den Kurven ihres Körpers entlang, so dass sie sich mit einen Mal sehr verletzlich vorkam. Sie kreuzte schützend die Arme vor der Brust. Was bei Ayvenas wollte er von ihr?
Ihre Stimme zitterte leicht, als sie ihn ansprach. „Worauf wollt Ihr hinaus?“
Seine dunkelgrauen Augen glühten förmlich, als er ihr nun direkt in die Augen sah. „Ich möchte lediglich, dass Ihr mir versprecht, dass ich der einzige sein werde, der Euch untersuchen darf, wenn Ihr Eure sterbliche Hülle verlassen habt. Solch eine Vollkommenheit und Anmut verdient einen Meister seines Fachs und wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf, ein solcher steht direkt vor Euch.“
Rhynnas Augen weiteten sich entsetzt, als sie den Sinn seiner Worte verstand. „Ihr wollt, dass ich Euch meinen Leichnam überlasse, sollte ich ums Leben kommen?“ keuchte sie erstickt. Das unkontrollierte Zittern ihrer Glieder verstärkte sich und furchtsam blickte sie zu ihm hoch.
„Aber, aber! Warum so schreckhaft, meine Liebe? Ihr selbst weilt dann längst in anderen Sphären und ich schwöre Euch, dass ich Euren Körper wie den einer Königin behandeln werde. Ihr könntet zur Krönung meiner Kunstwerke werden und ich werde Euch voller Demut und Respekt begegnen, darauf habt Ihr mein Wort.“ Mit ernster Miene schaute er sie an, gespannt auf ihre Antwort wartend.
Rhynna schluckte und dachte nach. Obgleich sie die Vorstellung nach ihrem Ableben eines von Mitternachts innig geliebten Kunstwerken zu werden, mehr als beängstigend fand, musste sie gestehen, dass er irgendwie auch recht hatte. Ihre Seele wäre lange nicht mehr dort, wenn er sie in seine Obhut nehmen würde.
Ihr war zwar alles andere als wohl bei dem Gedanken daran, was er alles mit ihrer Leiche anstellen könnte, aber blieb ihr eine Wahl? Wenn sie mehr über den Knopf heraus finden wollte, war sie auf seine Mitarbeit angewiesen.
„Also schön,“ sagte sie schließlich schweren Herzens. „Ich werde Euch gestatten meinen Körper zu untersuchen, wenn ich verstorben bin. Allerdings müsst Ihr mir Euer Wort geben, dass Ihr mir danach ein angemessenes Begräbnis zukommen lasst.“
Mitternachts Mund breitete sich zu einem strahlendem Lächeln aus. „Selbstverständlich werde ich das tun. Ich verspreche es Euch.“
Rhynna nickte und hoffte, dass sie ihren Beschluss nicht eines Tages bereuen würde. Unheimlich würde sie es immer finden, so viel stand fest.
„Verratet Ihr mir nun, was Ihr über den Knopf wisst?“
Mitternacht nickte und strich über seinen dünnen Oberlippenbart. „Selbstredend. Ich kenne nur eine Garde, an deren Uniformen Knöpfe derartiger Beschaffenheit verarbeitet wurden: bei den Soldaten aus Avano.“
„Soldaten aus Avano?“ wiederholte Rhynna stirnrunzelnd. „Von denen habe ich noch nie gehört.“
Mitternacht lachte leise. „Nun, das ist nicht weiter verwunderlich, haben sie sich doch gegen das Gesetz entschieden und sind zu Gesetzlosen geworden. Sie sind schlimmer als die Mallen Banditen, das kann ich Euch versichern. Ihre Brutalität und Gerissenheit macht sie zu gefährlichen Gegnern, wie Euer Kamerad am eigenen Leib erfahren musste.“
„Dann waren sie es also, die Nigula derart zugerichtet haben. Nur wie sind sie unbemerkt in die Stadt hineingelangt?“
„Auch dafür habe ich eine Theorie,“ meinte Mitternacht und deutete auf die unleserlich wirkende Karte. „Ich vermute, dass die Mallen Banditen sich mit den Soldaten aus Avano zusammen getan haben. Ob freiwillig oder gezwungen, sei einmal dahin gestellt. Dass die Mallen Banditen einen geheimen Stützpunkt in der Stadt haben, dürfte nicht weiter überraschend für Euch sein und ich vermute, dass sich die Soldaten aus Avano darüber unbemerkt nach Dalanis schleusen konnten. Wenn mich nicht alles täuscht, dann ist dies eine geheime Karte, die uns Aufschluss über den genauen Standort ihrer Basis geben wird, wenn ich sie erst einmal entschlüsselt habe.“
Rhynna nickte. „Das was Ihr sagt, ergibt Sinn.“ Sie sah ihn prüfend an. „Wie schnell seid Ihr denn in der Lage die wahre Bedeutung dieser Zeichnung herauszufinden?“
Er schenkte ihr ein nonchalantes Lächeln. „Gebt mir ein paar Stunden. Morgen im Laufe des Vormittages kann ich Euch genau sagen wo sich diese Gauner aufhalten.“
„Gut, nachdem wir das geklärt haben, mache ich mich besser wieder auf den Weg zurück zur Kaserne. Nicht dass man mich dort noch vermisst. Habt Dank für Eure Hilfe.“ Sie wandte sich zum Gehen.
Mitternacht eilte an ihre Seite. „Erlaubt mir Euch sicher zu geleiten, meine Liebe. Um diese Zeit sollte eine Dame wie Ihr nicht mehr allein in dieser Gegend unterwegs sein.“
Rhynna nickte ihm zu und machte sich dann schweigend auf den Weg, Mitternacht dicht neben ihr. Sie war zwar froh über seine Begleitung, aber wirklich sicher fühlen konnte sie sich bei ihm nicht. Dazu war er ihr zu unheimlich und undurchschaubar.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

34

Sunday, August 12th 2012, 10:16am

Wieder sicher in der Kaserne angekommen, brachte Rhynna Ser John sogleich auf den neuesten Stand ihrer Ermittlungen. Er war mehr als nur erleichtert, dass sie Nigula lebend hatten finden können und bedankte sich überschwänglich bei ihr.
Rhynna konnte seine Erleichterung nur zu gut verstehen, doch als er sie auf ein Met einladen wollte, lehnte sie höflich ab. Sie war erschöpft von den Ereignissen des Tages und wollte nur noch schlafen.
Doch zuvor würde sie noch einmal nachsehen wie es Nigula ging.
Leise öffnete sie die Tür zu seinem Krankenzimmer und spähte hinein. Sie zuckte unwillkürlich zusammen als ihr Blick direkt auf den von Nigula traf. Er schlief nicht mehr, wie sie angenommen hatte, sondern musterte sie mit undurchdringlicher Miene. Sein Gesicht war immer noch so bleich wie das Laken unter ihm, doch ihr geschultes Auge erkannte sofort, dass sein Zustand sich bereits erheblich gebessert hatte.
„Kommt herein,“ bat er sie heiser. Ohne zu zögern, kam sie seiner Bitte nach und trat zu ihm ans Bett.
„Wie geht es Euch?“ fragte sie mit sanfter Stimme.
„Ich lebe und das habe ich Euch zu verdanken.“ Sie zuckte zusammen, als er ihre Hand ergriff und diese fest umklammerte. „Ich weiß wirklich nicht wie ich Euch für das, was Ihr für mich getan habt, danken soll. Ihr habt mir nun bereits zum zweiten Mal das Leben gerettet und das, obwohl mich Euch gegenüber stets voller Ablehnung gezeigt habe...“
Sein Blick war voller Reue und Bedauern und bat sie stumm um Verzeihung.
Sie lächelte ihn beruhigend an und drückte kurz seine Hand, die sich ganz kalt anfühlte. „Ich werde alles was geschehen ist vergessen und das solltet Ihr auch tun. Schließlich bin ich mir bewusst, dass ich mit dem üblichen Bild eines Gardisten der Löwenherzgarde in etwa so viel gemein habe wie ein Gulo mit einem Pango.“
Um Nigulas Mundwinkel zuckte es verdächtig, so als würde er mit Mühe gegen das Lachen ankämpfen, das in ihm hoch stieg. Er kaschierte es eilig als Hustenanfall und hielt sich die Hand vor dem Mund.
Rhynna lächelte amüsiert. Endlich zeigte er ihr gegenüber einmal, dass er nicht immer nur ernst und kühl sein konnte, sondern auch andere Seiten besaß.
„Ihr verfügt über reichlich Talente. Nun verstehe ich warum Ser Kai Euch rekrutiert hat.“ meinte Nigula dann, nachdem er sich geräuspert hatte. Mühsam versuchte er sich aufzurichten, doch dazu war er noch zu schwach. Erschöpft ließ er sich schließlich zurück in die Kissen sinken und schaute sie resigniert an.
„Ihr müsst Euch schonen. Es wird noch eine Weile dauern bis Euer Körper wieder vollständig zu Kräften gekommen ist.“ rügte Rhynna ihn.
Missmutig verzog er das Gesicht. „Schrecklich so schwach und hilflos zu sein,“ murrte er. „Nun gut, dann müsst Ihr mir eben erzählen ob Ihr etwas mit dem Knopf habt anfangen können, den ich den Schurken entreißen konnte.“
Rhynna nickte und berichtete ihm alles, was sie herausgefunden hatte.
Nigulas Augen glänzten vor Aufregung, als sie mit ihrem Bericht geendet hatte. „Was werdet Ihr nun tun?“
„Ganz einfach, wenn Mitternacht entschlüsselt hat, wo genau sich das Versteck der Banditen in Dalanis befindet, werden wir unser Möglichstes tun, um das Nest dieser Räuberbande auszuheben.“
„Oh, ich wünschte, ich könnte dabei sein, wenn es so weit ist!“ Nigula ballte die Faust und starrte grimmig einen Fleck an der Wand an.
„Ich fürchte, dazu werdet Ihr nicht in der Lage sein. Ihr braucht noch einige Tage Bettruhe, ehe Ihr wieder vollständig genesen seid,“ meinte Rhynna mit einem bedauernden Kopfschütteln.
Er nickte mit verbissenem Gesichtsausdruck. „Ich weiß.“
Rhynna wandte sich zur Tür. Sie war müde und sehnte sich nach ihrem Bett. So lange hatte sie ursprünglich nicht an Nigulas Krankenlager verweilen wollen. Es wurde nun wirklich Zeit für sie sich zu Bett zu begeben. „Grämt Euch nicht. Es werden noch viele Gelegenheiten kommen, an denen Ihr für Recht und Ordnung eintreten könnt.“
Sie nickte ihm zu, die Hand auf dem Türgriff. „Und nun wünsche ich Euch eine angenehme Nachtruhe. Ich sehe morgen im Laufe des Tages noch einmal nach Euch, wenn es Euch recht ist.“
„Ihr haltet mich doch auf dem Laufenden?“ Sein fragender Blick bohrte sich in ihren.
„Gewiss.“ Und damit huschte sie aus seinem Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
Sie unterdrückte ein Gähnen und beeilte sich zu ihren Räumlichkeiten zu kommen. Dort angekommen legte sie ihren Stab und Bogen beiseite, schlüpfte aus ihrer Kleidung und ließ sich erschöpft auf das Bett fallen.
Und während draußen allmählich der Tag zu dämmern begann, fiel sie in einen tiefen Schlaf.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

35

Sunday, August 12th 2012, 7:24pm

Dunkelheit umgab sie wie eine große, samtene Decke, hüllte sie vollständig ein und lähmte ihre Glieder. Panisch versuchte sie sich zu bewegen, doch ihr Körper wollte ihr nicht gehorchen.
Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte sie in die Schwärze um sich herum und versuchte zu begreifen was gerade mit ihr geschah.
Als sich plötzlich zwei bleiche, klauenartige Hände mit langen Fingernägeln aus der Dunkelheit auf sie zu bewegten, wollte sie schreien, doch der Schrei, der sich ihrer Kehle entrang, war stumm. Ein höhnisches Lachen, bei dem ihr das Blut in den Adern gefror, erklang von irgendwo her aus dem Nichts, als die Hände immer näher kamen, bereit sich um ihren Hals zu legen und sie zu erwürgen...
Keuchend schreckte Rhynna aus dem Schlaf hoch, als es laut an ihre Tür klopfte. Sie brauchte einen Moment, um das unkontrollierte Zittern ihres Körpers wieder unter Kontrolle zu bekommen und ihren Herzschlag zu beruhigen, ehe sie in der Lage war, aufzustehen und zur Tür zu gehen.
Was für ein grässlicher Alptraum, dachte sie schaudernd und rieb sich über die bloßen Arme. Sie hatte schon beinahe fühlen können wie diese abscheulichen Klauen zudrückten, nur zu gern bereit sie zu töten.
Sie verscheuchte das beängstigende Bild eilig, ehe sie sich straffte und die Tür einen Spaltbreit öffnete. Beinahe wäre sie zurück geschreckt, als sie sich einem breit grinsenden Mitternacht gegenüber sah.
„Seid gegrüßt, werte Rhynna. Ich hoffe Ihr habt gut geschlafen?“ Prüfend musterte er das von ihrer Erscheinung, was er durch den Spalt erblicken konnte, ein belustigtes Funkeln in den dunkelgrauen Augen.
Rhynna erwiderte seinen Blick scheinbar gelassen, konnte aber nicht verhindern, dass ihre Wangen sich vor Verlegenheit röteten. Sie war sich nur zu gut bewusst, dass sie einen verschlafenen Eindruck machte und dass ihr Haar wild von ihrem Kopf abstehen musste. Zudem stand sie nur mit ihrem baumwollenen weißen Unterkleid bekleidet vor ihm und fühlte sich schrecklich entblößt.
Sicherlich amüsierte er sich königlich über das jämmerliche Bild, welches sie zweifellos abgab.
„Ich habe schon besser geschlafen,“ antwortete sie ausweichend und bemühte sich notdürftig ihr Haar zu glätten.
„Kann ich Euch irgendwie helfen?“ wollte sie dann wissen, verärgert darüber, dass sein Grinsen noch breiter geworden war, als er bemerkt hatte, dass es ihr unangenehm war in einem solchen Aufzug vor ihm zu stehen. Und über das merkwürdige Glitzern in den silbernen Tiefen seiner Augen dachte sie besser nicht genauer nach.
„Ich fand es wäre besser Euch persönlich aufzusuchen, um Euch zu berichten, dass es mir wie versprochen gelungen ist die Karte zu decodieren.“ sagte er dann und betrachtete interessiert ihre nackten Füße.
Rhynna ließ ihn diese Unverfrorenheit nur durchgehen, weil sie zu überrascht war, um ihn zu tadeln. „Ihr habt sie entschlüsselt? So schnell?“ Sie war ehrlich verblüfft. Immerhin waren erst wenige Stunden vergangen, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten.
Mitternacht hob wieder den Blick und lächelte fast schon spöttisch. „Selbstredend. Ich sagte Euch doch, dass Ihr heute im Laufe des Vormittages mit Ergebnissen rechnen könntet.“
„Weiß Hauptmann John schon davon?“ Rhynna verschränkte die Arme vor der Brust und schenkte dem Leichenbestatter einen warnenden Blick, als der seine etwas zu lange auf ihren Brüsten ruhte.
Mitternacht schnalzte enttäuscht mit der Zunge ob ihrer Ablehnung. „Nein, ich bin direkt zu Euch gekommen.“
Sie kniff die Augen zusammen bis sie zwei schmalen Schlitzen ähnelten. „Und woher wisst Ihr wo mein Zimmer liegt?“
„Ich glaube nicht, dass Ihr das wissen wollt,“ erwiderte er mit einem nonchalanten Lächeln.
Nach dieser Bemerkung nahm Rhynna sich vor nie wieder bei unverschlossener Tür zu schlafen. Und es trug auch nicht gerade dazu bei, dass Mitternacht ihr weniger unheimlich vorkam. Ganz im Gegenteil.
Sie holte einmal tief Luft. „Gebt mir zehn Minuten, in denen ich mich ankleiden und herrichten kann. Danach können wir zu Hauptmann John gehen und ihm gemeinsam von Eurem raschen Erfolg berichten.“
„Natürlich.“
Sie wollte die Tür gerade schließen, als er noch einmal das Wort an sie richtete. „Rhynna?“
Misstrauisch sah sie ihn an. „Ja?“
„Darf ich herein kommen und Euch dabei zusehen?“ Er grinste sie anzüglich an und einen Moment war sie sprachlos über so viel Dreistigkeit.
Wie konnte er es wagen sie mit solch einem Ansinnen zu belästigen? Eine solche Unverschämtheit war ihr noch nie untergekommen.
„Auf keinen Fall!“ keifte sie ihn an und schlug ihm die Tür mit einem lauten Knall vor der Nase zu.
Sein Lachen verfolgte sie die ganze Zeit, während sie sich fertig machte und machte sie unglaublich wütend.
Unverschämter Kerl! Wenn sie nicht auf seine Mithilfe angewiesen wäre, würde sie ihm schon zeigen, dass man so nicht ungestraft mit ihr umgehen durfte!
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

36

Monday, August 13th 2012, 1:01am

Rhynna sprach kein Wort mit Mitternacht, als sie schließlich zu Hauptmann Johns Büro eilten, was ihn lediglich zu amüsieren schien.
Dort angekommen überließ sie ihm das Reden und versuchte vor Ser John zu verbergen, dass sie aufgebracht war. Er musste nicht wissen, dass sie eine immense Wut auf den sonderbaren Leichenbestatter in sich trug. Das würde nur unnötige Fragen aufwerfen, die zu beantworten sie nicht die geringste Lust verspürte..
Scheinbar gelang es ihr, denn der Hauptmann war viel zu sehr mit der Planung des Übergriffes auf die nun bekannte Geheimbasis der Mallen Banditen beschäftigt, dass er nicht bemerkte, was für eine Spannung zwischen ihr und Mitternacht herrschte.
Schon bald war auch Rhynna von den Planungen gefangen und vergaß vorerst ihren Ärger auf Mitternacht. Man kam zu dem Schluss, dass es am besten wäre gleich in dieser Nacht bei Einbruch der Dunkelheit zu zuschlagen.
Ser John stellte einen Trupp seiner besten Männer zusammen und instruierte sie und Mitternacht überreichte jedem Einzelnen ein Mittel, welches sie vor den Auswirkungen böser Zauber schützen sollte. Rhynna zweifelte ein wenig, dass sie diesen Schutz benötigten, trank ihren Trank aber brav aus.
Sie würde als Heilerin mitgehen und sich weitesgehend aus dem eigentlichen Kampf heraushalten. Nur wenn sie direkt angegriffen wurde, sollte sie sich verteidigen. Ansonsten war es ihre Aufgabe sich um die Verletzungen der Verwundeten zu kümmern und dafür Sorge zu tragen, dass keiner der Gardisten ernsthaft zu Schaden kam.
Sie wusste, dass sie dieser Aufgabe gewachsen war, und dennoch konnte sie ein gewisses Maß an Nervosität nicht leugnen.
Wie versprochen stattete sie Nigula Hura am Nachmittag einen weiteren Besuch ab und berichtete ihm alles was sie wusste.
Äußerlich sah er bereits wieder so aus wie vor dem Überfall. Die Schnittwunden waren dank ihrer Heilkräfte verheilt und hatten kaum Narben hinterlassen. Doch sein Körper war durch den hohen Blutverlust immer noch geschwächt, so dass sie ihm erneut davon abriet sich ihnen am Abend anzuschließen. Widerwillig versprach er sich zu schonen und weiterhin das Bett zu hüten, auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel.


Schließlich war es so weit. In Zweiergruppen verließen die Gardisten die Kaserne und schwärmten aus um ihre Posten rund um den gut im äußersten Bezirk der Unterstadt versteckten Stützpunkt zu beziehen, während die Sonne als rotglühender Feuerball am Horizont versank.
Rhynna hockte mit Weily Loth hinter der halb zerstörten Mauer eines Hauses und wartete atemlos auf das vereinbarte Zeichen zum Angriff.
Als der Signalpfeil dann in den Himmel flog und in einem goldenen Funkenregen über dem Zielgebäude zerstob, stürmten die Männer lauthals brüllend und mit gezogenen Waffen los.
Der Angriff traf die Banditen wie erhofft überraschend. Die meisten hatten kaum Zeit ihre Waffen zu ziehen, da waren sie schon überwältigt und ergaben sich.
Einige jedoch kämpften verbissen trotz der Übermacht, die sie umzingelt hatte und versuchte sie in die Ecke zu drängen.
Rhynna hatte gut zu tun. Sie wirbelte ihren Stab herum und sandte Wellen heilender Energie in alle Richtungen zu ihren Verbündeten um sie zu stärken und von etwaigen Verletzungen zu kurieren. Weily gab ihr dabei Rückendeckung und machte seine Sache sehr gut.
Doch dann stürzten sich zwei Männer auf ihn, die anders gekleidet waren und weitaus aggressiver auftraten als die übrigen. Rhynna erkannte in ihnen sofort die von Mitternacht erwähnten Soldaten aus Avano.
Einer von ihnen machte eine rasche Handbewegung und murmelte dabei ein paar Worte. Augenblicklich erstarrte der Körper Weilys mitten in der Bewegung und stand da wie gelähmt. Offenbar hatte er es - warum auch immer - versäumt Mitternachts Mittelchen einzunehmen.
Sie schaffte es gerade noch rechtzeitig einen schützenden Schild aus Wasser um Weily zu erschaffen, ehe das Schwert des größeren Mannes ihn durchbohren konnte.
Nun richtete sich die geballte Aggression der Männer jedoch gegen sie. Sie trugen unheimlich anmutende schwarze Uniformen und Umhänge und ihre Gesichter waren verborgen unter einem eng anliegendem Helm, der lediglich über Augenschlitze verfügte.
Betont langsam kamen sie näher und drängten Rhynna immer weiter zurück. Sie schleuderte ihnen eine brausende Woge Wasser entgegen, deren Wucht sie eigentlich von den Füßen hätte werfen müssen. Doch zu ihrem Entsetzen marschierten sie einfach unbeeindruckt weiter und waren lediglich durchnässt und wütender als zuvor.
Hastig zog sie ihren Bogen und legte einen Pfeil auf. Sie zielte und kurze Zeit später löste sich der Pfeil mit einem sirrenden Geräusch von der Sehne. Er traf den Schwertarm des kleineren Mannes genau in dem Moment, in dem Ser John herbei sprang und diesem einen Streich versetzte. Ohne den geringsten Mucks von sich zu geben, ging der Getroffene zu Boden und blieb regungslos im Staub der Straße liegen.
Der größere Soldat aus Avano stürzte sich mit einem zornigen Aufschrei auf den Hauptmann und verwickelte ihn in einen heftigen Zweikampf, den Ser John nach einigem Hin und Her letztendlich für sich entscheiden konnte.
Rhynna stieß erleichtert die Luft aus, die sie angehalten hatte und bedankte sich für seine rasche Hilfe.
Kurz darauf war es geschafft.
Sie hatten gesiegt.
Der geheime Stützpunkt der Schurken war vernichtet und die kriminellen Banditen waren entweder tot oder im Gewahrsam der Löwenherzgarde.
Rhynna lächelte voller Dankbarkeit und blickte hinauf in den Sternenhimmel. Hoffentlich hörten die seltsamen Leichenfunde nun auf, damit die Vagabunden von Dalanis nicht mehr jeden Tag um ihr Leben zu fürchten brauchten. Besonders bei einem Vagabunden hoffte sie, dass er in Sicherheit wäre.
Irritiert über solch einen Gedanken runzelte sie die Stirn. Wie töricht ausgerechnet in so einem Moment an diesen mysteriösen Toni zu denken.
Energisch schüttelte sie den Kopf um sein Bild aus ihrem Kopf zu bekommen und machte sich daran diverse kleinere Verletzungen und Schürfwunden zu heilen. Ayvenas sei Dank, dass niemand der Garde zu Tode gekommen war!
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

37

Tuesday, August 14th 2012, 4:34pm

Der Abend war schon weit fortgeschritten, als seine Majestät Callaway Kalume alias Toni die weiten Flure seines Palastes entlang schritt. Er war unsäglich müde.
Die Ratssitzung hatte sich wieder einmal endlos lange hingezogen und ihm dröhnte der Schädel von all den Anliegen und Problemen, die zur Sprache gekommen waren.
Das Schlimmste aber war, man erwartete von ihm als amtierender Herrscher, dass er eine zufriedenstellende Lösung für alles fand. Doch er stand dem allen so hilflos gegenüber wie ein kleines Kind und hatte nicht die geringste Ahnung wo er beginnen sollte.
Seufzend musste er sich zum wiederholten Male eingestehen, dass er einen miserablen König abgab, eine jämmerliche Karikatur, eine einzige Enttäuschung für sein Volk und seinen verstorbenen Vater.
Resigniert trottete er in Richtung seines Schlafgemachs, als er plötzlich Schritte vernahm. Aus einem spontanen Impuls heraus, huschte er lautlos in den nächsten naheliegenden Alkoven, die sich in regelmäßigen Abständen an der Wand befanden, und verbarg sich dort in den dunklen Schatten hinter einem samtenen Vorhang.
Die Schritte kamen näher und nun hörte er auch, um wen es sich handelte. Es waren General Lance und Vizekommandantin Iswan Giant, zwei seiner engsten Vertrauten, die sich mit gedämpften Stimmen unterhielten.
Nun war er regelrecht froh, dass er sich vor den beiden verborgen hatte. Wenn sie ihn ohne seine zwei Leibwachen angetroffen hätten, hätte er sich wieder stundenlange Vorträge darüber anhören dürfen wie gefährlich es für ihn war ohne ständigen Geleitschutz herumzulaufen. Besonders Iswan war in diesem Punkt unerbittlich und führte sich ihm gegenüber wie eine überfürsorgliche Glucke auf. Er war es einfach nur leid.
Missmutig schüttelte er den Kopf und konzentrierte sich auf das Gespräch der beiden.
„Wer hätte das gedacht,“ murmelte General Lance gerade.
„Glaubt mir, ich bin ebenso überrascht wie Ihr. Ich konnte es im ersten Moment auch nicht glauben, als Hauptmann John mir über die heutigen Ereignisse Bericht erstattete, doch es entspricht der Wahrheit. Es war die neue Rekrutin, diese Priesterin, welche erheblichen Anteil daran hatte, dass wir den Stützpunkt der Mallen Banditen in Dalanis ausfindig machen und zerschlagen konnten.“ Iswans sonst so kühle, beherrschte Stimme war voller Unglauben bei diesen Worten.
Toni spitzte in seinem Versteck interessiert die Ohren. War es möglich, dass die beiden über die Frau sprachen, die ihm neulich in der Kanalisation zur Hilfe geeilt war? Die Frau, an die er seitdem immerzu hatte denken müssen und deren Identität er nur zu gerne enthüllen wollte? Ganz zu schweigen von der Farbe ihrer Augen.
„Nun, es hat den Anschein, als hätte Ser Kai das richtige Gespür besessen, als er sie überredete sich der Löwenherzgarde anzuschließen. Einen viel versprechenderen Rekruten als sie hatten wir schon lange nicht mehr,“ meinte General Lance und in seiner Stimme schwang so etwas wie Anerkennung mit.
„Ich möchte mit ihr sprechen,“ verkündete er dann. „Schickt ihr doch eine Einladung für den Maskenball morgen Abend. Bei der Gelegenheit können wir sie auch gleich für ihre herausragenden Verdienste in den Rang eines Schildknappen erheben.“
Toni hörte wie Iswan bei dieser Bitte überrascht nach Luft schnappte. Doch sie fand schnell ihre Contenance wieder und versteckte ihre Gefühle hinter ihrer üblichen kühlen Fassade. „Ganz wie Ihr wünscht, General.“
Vorsichtig spähte Toni hinter dem Vorhang des Alkovens hervor und sah gerade noch, wie die Vizekommandantin sich verbeugte und raschen Schrittes davon eilte.
Der General verharrte kurz an Ort und Stelle, dann wandte er sich in die andere Richtung. „Eine interessante Frau, diese Rhynna Harrowington,“ hörte Toni ihn noch leise vor sich hin murmeln, ehe er in den nächsten Gang links abbog.
Als er sich sicher sein konnte, dass niemand ihn sah, verließ der König sein Versteck, ein breites Lächeln im Gesicht.
Endlich konnte er der schönen Unbekannten einen Namen geben: Rhynna. Versonnen zupfte er an den Manschetten seines Hemdes herum, während er sich seinem Gemach näherte.
Er konnte es kaum erwarten sie wiederzusehen. Um nichts in der Welt würde er sich den morgigen Maskenball entgehen lassen. Er musste einfach erneut mit ihr sprechen und heraus finden, warum sie eine solch intensive Faszination auf ihn ausübte.
Zufrieden lächelnd betrat er schließlich seine Räumlichkeiten.


Rhynna fuhr erschrocken zusammen, als es an ihre Zimmertür klopfte. Sie war gerade dabei ihre roten Haare auszubürsten und wollte sich eigentlich gleich danach zu Bett begeben. Es war ein langer Tag gewesen und sie war erschöpft aufgrund der vielen Heilzauber, die sie in den letzten Stunden gewirkt hatte.
Bedächtig legte sie die Bürste beiseite, um zu schauen, wer ihr zu so später Stunde noch einen Besuch abstattete. Sie konnte nur hoffen, dass es nicht Mitternacht war, sonst würde er sie nämlich von einer ganz anderen Seite kennenlernen.
Als sie die Tür jedoch öffnete, staunte sie nicht schlecht, als sie sich völlig unerwartet Vizekommandantin Iswan Giant gegenübersah.
„Ich weiß es ist schon recht spät, aber dürfte ich dennoch kurz eintreten?“ Fragend blickte die große blonde Frau sie an.
Rhynna versuchte ihre Überraschung so gut es ging zu verbergen und nickte. „Natürlich, kommt bitte herein.“
Sie bot der Vizekommandantin ihren Stuhl an, doch diese lehnte dankend ab. „Ich bleibe nicht lange. Ich möchte Euch keineswegs von Eurem wohlverdienten Schlaf abhalten.“
„Das tut Ihr nicht. Ich habe...,“ setzte Rhynna an, doch eine resolute Geste Iswans brachte sie jäh zum verstummen.
„Ihr braucht nicht weiterzusprechen, John Hoffman hat mir alles genauestens erzählt. Und ich muss gestehen, dass Ihr der wohl herausragendste Ritter in Ausbildung seid, den ich in diesem Jahr zu Gesicht bekommen habe.“
Rhynnas Wangen färbten sich jäh rot bei diesen lobenden Worten. Dies von Iswan Giant persönlich zu hören, hätte sie sich nicht zu erträumen gewagt. Doch die Vizekommandantin war noch nicht fertig. „Weitaus wichtiger ist jedoch, dass General Lance persönlich von Euren Taten erfahren hat und Euch nun näher kennenlernen möchte. Aus diesem Grund lässt er Euch zu dem Maskenball einladen, der morgen Abend im großen Saal des Palastes stattfindet.“
Rhynnas Augen weiteten sich vor Erstaunen. „Ein Maskenball? Morgen Abend?“ entfuhr es ihr. Sie konnte nicht fassen, dass der furchteinflößende General Lance persönlich mit ihr zu sprechen wünschte. Noch dazu auf solch einer festlichen Aktivität wie einem Maskenball!
„Genau. Ihr solltet stolz auf Euch sein, dass Euch die Ehre zuteil wird daran teilzunehmen.“ Iswan musterte sie eingehend. „Kleidet Euch dementsprechend. Ich werde Euch dann zur achten Stunde abholen und hinüber geleiten.“ Sie wandte sich zum Gehen. „Eine angenehme Nachtruhe.“ Und mit diesen Worten schloss sie die Tür endgültig hinter sich.
Rhynna stand einen Moment völlig überrumpelt da, ehe sich ein leichtes Lächeln auf ihren Gesichtszügen ausbreitete. Sie war schon lange auf keinem Ball mehr gewesen. Es würde ihr sicher große Freude bereiten sich dafür zurecht zu machen, dort zu tanzen und sich einfach nur an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen, ohne an all das Leid zu denken, mit dem sie sonst immer zu tun hatte.
Doch dann fiel ihr ein, dass sie überhaupt kein Kleid besaß, dass einem solchen Anlass würdig war. Sie würde sich morgen ihr Sold auszahlen lassen und eine Schneiderin aufsuchen müssen, aber diese Mühen war ihr der Ballbesuch alle Male wert.
Sie lächelte immer noch, als ihr Kopf auf das Kissen sank und sie in einen tiefen Schlummer verfiel.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

38

Wednesday, August 15th 2012, 12:44am

Der nächste Tag begann für Rhynna wie sonst auch. Sie frühstückte gemeinsam mit den anderen Rekruten in der großen Halle und absolvierte dann ihr tägliches Stabkampftraining draußen im Innenhof.
Nach einem kurzen Besuch bei Nigula, dessen Genesung gute Fortschritte machte, kehrte sie zu ihrem Zimmer zurück, um ihre dort vergessene Geldbörse zu holen. Sie war ganz begierig darauf eine Schneiderin aufzusuchen, um sich eine elegante Robe für den Ball zu besorgen und hatte sich zu diesem Zweck den gesamten Nachmittag frei genommen.
Als sie den kleinen Raum betrat, den sie seit ihrer Aufnahme bei der Löwenherzgarde bewohnte, blieb ihr Blick wie magisch angezogen an einer großen weißen länglichen Schachtel auf ihrem Bett hängen, um die eine kunstvolle Schleife aus dunkelroter Seide geschlungen war.
Verwundert trat sie näher und griff nach dem säuberlich zusammengefalteten Stück Pergament, welches daneben lag. Es befanden sich nur drei Worte darauf, verfasst in einer kühnen Handschrift, doch die reichten aus, um ihren Herzschlag augenblicklich zu beschleunigen: In stiller Bewunderung, stand da.
Rhynnas Herz raste und der kleine Brief entglitt ihren zitternden Fingern, als sie fieberhaft überlegte von wem das Präsent wohl stammen mochte. Ihr fiel eigentlich nur eine Person ein, der sie eine solche Geste zutrauen würde.
Mitternacht.
Er hatte ihr gegenüber keinen Hehl daraus gemacht, dass sie eine gewisse Faszination auf ihn ausübte. Allerdings war sie sich nicht sicher, ob er es ernst meinte oder sie lediglich zu seinem Amüsement absichtlich in Verlegenheit bringen wollte.
Zudem wollte die Botschaft nicht so recht zu Mitternacht passen. Gewiss hätte er nicht von stiller Bewunderung gesprochen, sondern es weitaus anzüglicher formuliert, so wie sie ihn einschätzte.
Doch von wem konnte das Geschenk dann sein?
Rhynna beschloss sich zunächst nicht weiter den Kopf darüber zu zerbrechen, sondern die Schachtel einfach zu öffnen, um zu schauen, was für einen Inhalt sie überhaupt in sich barg.
Sacht löste sie die Schleife und legte das seidene Band beiseite. Dann hob sie den Deckel.
Ihr stockte der Atem, als sie einen Blick auf das, was sich im Inneren befand, erhaschte.
Ihre Finger zitterten, als sie eine wunderschön gearbeitete Halbmaske hervor holte, um sie im Licht näher betrachten zu können. Sie war aus feinstem schwarzen Leder, verziert mit einem einzelnen Rubin, der einer blutroten Träne gleich unter dem linken Auge saß.
Sorgsam legte sie die Maske auf das Bett und widmete sich dem restliche Inhalt der Schachtel.
Ihr entfuhr ein schwaches „Oh!“, als sie ein traumhaft schönes Abendkleid aus dunkelroter Seide herausnahm und behutsam auf dem Bett ausbreitete. Das dezent ausgeschnittene Oberteil war aufwendig bestickt, genau wie der Saum des Rocks. Es war eng geschnitten, mit einer hoch angesetzten Taille, kurzen Ärmeln und einem tiefen Rückenausschnitt. Angezogen würde es gewiss noch atemberaubender aussehen.
Sprachlos sank sie neben dem Kleid auf das Bett. Wie in Trance registrierte sie, dass die passenden Schuhe zur Robe noch in der Schachtel ruhten.
Nachdem sie nun wusste, was für ein wertvolles Präsent sie erhalten hatte, stand fest, dass es einfach nicht von Mitternacht sein konnte. Denn der konnte nicht wissen, dass sie zu dem Maskenball eingeladen worden war. Und dass er so viel Gold für ein einziges Gewand ausgab, konnte sie ich auch beim besten Willen nicht vorstellen.
Allerdings fiel ihr auch niemand anderer ein, der von ihrer Einladung wusste, außer General Lance, aber das er ihr solch ein Geschenk mit solch einer Botschaft sandte, hielt sie doch eher für unwahrscheinlich.
Von wem konnte es also sonst sein?
Beinahe schon ehrfürchtig fuhr sie mit den Fingerspitzen über die zarten Stickereien des Oberteils. Sie hatte sich augenblicklich in dieses hinreißende Kleid verliebt und würde es mit Freuden auf dem Maskenball tragen, in der Hoffnung, dass sich ihr großzügiger Gönner und heimlicher Bewunderer dann zu erkennen gab.
Sie brannte darauf zu erfahren wer der Mann war, den sie derart beeindruckt hatte, dass er ihr solch ein kostbares Geschenk machte. Eher würde sie keine Ruhe haben.
Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie darüber sinnierte auf welche Art und Weise sie sich bei ihm für das wunderschöne Kleid bedanken könnte. Ihr fielen mehrere Möglichkeiten ein, die sie davon abhängig machte, wer genau ihr Bewunderer nun war.
Rhynna kicherte wie ein kleines Mädchen, als sie die Robe an ihre Brust drückte und sich nach hinten auf das Bett fallen ließ. Zum ersten Mal seit Wochen war sie richtig glücklich und dass hatte sie dem Unbekannten und seiner großmütigen Geste zu verdanken.
Sie konnte es kaum erwarten, dass der Maskenball endlich begann. Oh, wenn es doch nur schon Abend wäre!
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

39

Wednesday, August 15th 2012, 7:48pm

Um die langen Stunden bis zum Abend zu überbrücken, beschloss Rhynna ein wenig auf den Markt zu gehen und sich mit neuen Heilkräutern für ihre Tränke einzudecken. Sie fand auch alles, wonach sie suchte, so dass ihre Einkäufe schnell erledigt waren.
Sie stöberte noch ein wenig herum und konnte der Versuchung nicht widerstehen, als sie eine schlichte, sehr hübsche Kurzrobe in silbergrau fand. Kurz entschlossen erwarb sie das Kleidungsstück und kehrte dann zur Kaserne zurück.
Die restliche Zeit vertrieb sie sich mit Lesen. Ser Kai hatte ihr ein überaus interessantes Geschichtsbuch über Zandorya ausgeliehen und sie liebte es sich die mit feinen Pinselstrichen getuschten Landkarten der einzelnen Gebiete anzusehen und mehr über diese fremden Länder zu erfahren.
Dann war der Tag endlich weit genug voran geschritten und sie machte sich daran sich für den Maskenball umzukleiden.
Bedächtig legte sie das dunkelrote Abendkleid an und hielt den Atem an, als sie feststellte, dass es wie angegossen passte. Es war als wäre es ihr direkt auf den Leib geschneidert worden.
Fasziniert begann sie sich um sich selbst zu drehen und der seidene Stoff raschelte leise, als er sacht um ihre Beine schwang Sie lachte vor Entzücken auf. In diesem Kleid fühlte sie sich wie eine Prinzessin, unheimlich elegant und schön.
Sie schlüpfte in die fein gearbeiteten Tanzschuhe und legte die schwarze Halbmaske an. Ihre Haare steckte sie kunstvoll auf, wie sie es früher in ihrem alten Leben in Varanas nur zu oft getan hatte. Zwei einzelne Strähnen umschmeichelten ihr Gesicht und verliehen ihr etwas Sanftes, Weibliches.
Zufrieden lächelnd betrachtete sie sich in dem kleinen Spiegel. Sie hatte schon lange nicht mehr so hübsch ausgesehen.
Pünktlich zur achten Abendstunde erschien Iswan Giant, um sie abzuholen. Die Vizekommandantin trug eine elegante Robe aus eisblauem Taft, deren Farbton und Hochgeschlossenheit ihr eine gewisse Strenge verliehen. Mit der passenden Halbmaske wirkte sie kühl und unnahbar, was wahrscheinlich genau ihrer Absicht entsprach.
Falls sie überrascht war Rhynna in solch einem prächtigen Abendkleid zu sehen, ließ sie es sich nicht anmerken. „Wie schön, Ihr seid bereits fertig. Dann lasst uns hinüber gehen,“ meinte sie nur.
Rhynna nickte und folgte ihr nach draußen. Dort wurden sie von zwei Fackelträgern erwartet, welche die beiden Frauen sicher durch die Oberstadt bis zum Palast geleiteten.
Als sie das majestätische Gebäude betraten blickte Rhynna sich voller Neugierde und Staunen um. Sie hatte immer gedacht die Amtsgebäude in Varanas wären eindrucksvoll, aber das hier übertraf alles was sie kannte bei weitem. Die Wände waren verziert mit wertvollen Wandteppichen und Gemälden, glänzend polierte Ritterrüstungen standen in regelmäßigen Abständen Spalier und der lange Säulengang, den sie entlang schritten, wurde von unzähligen goldenen Kerzenleuchtern erleuchtet.
Unwillkürlich fragte sie sich wie der König ruhigen Gewissens in all diesem Prunk leben konnte, während der Großteil seines Volkes unter den Folgen von Überfällen, Krieg und Hunger zu leiden hatte.
Hastig verscheuchte sie diesen Gedanken wieder. Es stand ihr nicht zu über Callaway Kalume ein Urteil zu fällen. Sie kannte ihn nicht einmal.
Doch das würde sich an diesem Abend gewiss ändern. Zumindest erhoffte sie sich das.
Sie lächelte erwartungsvoll, als sie schließlich den Ballsaal erreichten, aus dem gedämpfte Stimmen und Musik erklangen. Zwei in silber und blau livrierte Bedienstete öffneten bei ihrem Erscheinen die großen Flügeltüren, um ihnen Einlass zu gewähren.
Iswan schritt selbstsicher voran in den hell erleuchteten Saal, während Rhynna ihr etwas zögerlich folgte. Ihr Herz raste vor Aufregung und sie war auf einmal sehr nervös, schließlich konnte sich hinter jedem maskierten Fremden der Mann verbergen, dem sie es zu verdanken hatte, dass sie in einem solch umwerfenden Aufzug auf dem Maskenball erscheinen konnte.
Die Vizekommandantin führte sie durch die Menge gut gekleideter Adliger, grüßte immer wieder höflich, ließ sich ansonsten aber nicht großartig aufhalten. Ihr Ziel war General Lance, der als einer der wenigen nicht maskiert war und seine prunkvolle Rüstung samt Bihänder statt Abendgarderobe trug.
Rhynna nahm nur am Rande wahr, wie die anderen Gäste hinter ihrem Rücken zu tuscheln begannen, kaum dass sie an ihnen vorbei gegangen waren. Es kümmerte sie wenig was die vornehme Schicht Dalanis' über sie dachte. Sollten sie doch reden. Es war ihr gleich. Sie verspürte ohnehin nicht das Verlangen zu ihnen gehören zu wollen.
Viel mehr interessierte sie wer ihr geheimnisvoller Gönner und Bewunderer war und so musterte sie jeden männlichen Gast im Vorbeigehen unauffällig durch die Augenschlitze ihrer Maske. Doch falls er sie bereits gesehen hatte, verstand er es meisterlich seine Reaktion zu kaschieren.
„Ah, da ist ja unsere talentierte Priesterin! Lasst mir Euch versichern, Ihr seht bezaubernd aus.“ begrüßte General Lance Rhynna zuvorkommend, als sie bei ihm angekommen waren.
Sie bedankte sich artig für das Kompliment, hatte aber zugleich das merkwürdige Gefühl es wären lediglich leere Worte, gesprochen aus reiner Höflichkeit.
Misstrauisch beäugte sie die hochgewachsene Gestalt des Generals. Er lächelte sie an, doch das Lächeln erreichte seine Augen nicht. Kühl blickten sie auf sie hinab.
Sie zog eine Augenbraue hoch und wartete darauf, dass er wieder das Wort an sie richtete. Schließlich war sie auf seinen ausdrücklichen Wunsch hier, weil er sie besser hatte kennenlernen wollen.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)

40

Thursday, August 16th 2012, 12:26am

Ehe er das Gespräch jedoch fortsetzte griff er sich zwei Kristallkelche, gefüllt mit edlem Perlwein, den ein beflissener Diener den Gästen auf einem Tablett darbot.
Er reichte ihr eines der Gläser und wartete, dass Iswan sich ebenfalls eines nahm, bevor er seines erhob. „Lasst uns auf Euch trinken, Rhynna Harrowington. Eure Beherztheit und rasche Auffassungsgabe waren uns eine große Hilfe bei der Zerschlagung des Mallen Stützpunktes und aus diesem Grund werden wir Euch nachher offiziell in den Rang eines Schildknappen erheben.“ Er prostete ihr zu und nahm einen Schluck des leicht perlenden Getränks.
Rhynna wusste darauf nichts zu erwidern. Sie trank einen kleinen Schluck aus ihrem Kelch, überwältigt davon, dass er ihr soeben eröffnet hatte, dass ihre Beförderung unmittelbar bevor stand.
Dieser Tag bot wahrlich einiges an Überraschungen. Sie wusste nur nicht genau ob sie gespannt auf die nächste sein oder sich lieber davor fürchten sollte, dass die folgende nicht so angenehm wurde wie die bisherigen.
„Und nun würde ich Euch gerne ein paar persönliche Fragen stellen, wenn es Euch nichts ausmacht.“ Fragend sah der General sie mit seinen eisig blauen Augen an.
Ruhig erwiderte sie seinen Blick. „Was wollt Ihr wissen?“ So etwas in der Art hatte sie erwartet und war deswegen nicht sonderlich überrascht. Früher oder später hatte so etwas einfach kommen müssen.
„Sorgt Euch nicht, Eure Vergangenheit ist nicht Gegenstand meines Interesses. Ich würde vielmehr gerne den Grund für Euren Aufenthalt hier in Zandorya erfahren. Es kommt nämlich nicht jeden Tag vor, dass jemand aus Kolydia hierher kommt, wisst Ihr?“ Zwei Augenpaare musterten sie eingehend und warteten gespannt auf ihre Antwort.
Rhynna nickte bedächtig. „Das ist mir bekannt. Ich... ich war auf der Suche nach neuen Herausforderungen und wollte etwas gänzlich Neues erleben, fernab von allem altbekannten,“ erwiderte sie dann ausweichend und drehte ihr Glas vorsichtig zwischen ihren Händen. Sie verspürte nicht die geringste Lust diesem wichtigen Mann von ihrer Flucht vor einem Phantom aus ihrer Vergangenheit zu erzählen. Das ging ihn nun wirklich nichts an.
Sie hatte den Blick gesenkt, spähte nun aber durch die Augenschlitze ihrer Maske nach oben und sah wie sich deutliche Skepsis im Gesicht des Generals abzeichnete.
„Verzeiht, wenn ich das sage, aber wie die typische Abenteurerin seht Ihr nicht gerade aus.“warf er ein.
„Das ist mit bewusst. Aber ich entspreche schließlich auch nicht dem Idealbild eines Gardisten der Löwenherzgarde und habe es offenbar dennoch geschafft Euch mit meinen Leistungen zu beeindrucken,“ entgegnete sie spitz.
Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, wünschte sie sie hätte es nicht getan. Wie konnte sie es wagen dem Kommandanten der Garde eine derart unverschämte Antwort an den Kopf zu werfen? Am liebsten hätte sie sich die Zunge abgebissen! Stattdessen begnügte sie sich damit nervös auf ihrer Unterlippe herumzukauen.
Doch anstatt sie wie erwartet zornig zurecht zu weisen, brach General Lance in schallendes Gelächter aus. Verwirrt starrte Rhynna ihn an.
„Gut gekontert,“ meinte er trocken, als er sich wieder beruhigt hatte. „Ich sehe schon der Grund Eures Hierseins ist etwas, über das Ihr nicht sprechen wollt. Nun gut, es ist Euer gutes Recht zu schweigen. Aber vergesst niemals, dass die Löwenherzgarde, ganz gleich was Eure Motive sein mögen, Euch stets unterstützen wird solange Ihr uns treu dient.“
Sie nickte ihm einmal kurz zu, um zu zeigen, dass sie seine Worte zu schätzen wusste. „Keine Sorge. Das werde ich nicht. Habt Dank.“


Toni stand etwas abseits der Gruppe, ein halb ausgetrunkenes Glas Perlwein vergessen in der Hand. Sein Blick war unverwandt auf Rhynna gerichtet, die er keine Sekunde lang aus den Augen gelassen hatte, seit sie den Saal an Iswans Seite betreten hatte.
Sie trug das dunkelrote Abendkleid, dass er ihr geschickt hatte und sah darin atemberaubend schön aus. An der natürlichen Anmut ihrer Bewegungen hatte er sie sogleich als die Frau erkannt, die ihn im Kampf gegen die Kanalspinne unterstützt hatte.
Am liebsten wäre er sofort zu ihr gegangen, um mit ihr zu sprechen, doch er bezähmte mühsam sein Verlangen, um kein unnötiges Aufsehen zu erregen. Er konnte sich bei seinem ohnehin schon arg angeschlagenem Ruf keinen weiteren Fauxpas mehr erlauben.
Ungeduldig wartete er auf die passende Gelegenheit um zu der kleinen Gruppe zu stoßen.
Schließlich sah er sie gekommen, stellte sein Glas achtlos beiseite und näherte sich raschen Schrittes dem Ziel seiner Begierde.
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Rhynna ~ Magier/Priester/Kundschafter (50/35/32)